Zeichen der Wertschätzung

22. April 2005, 15:56
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Nie zuvor in der Geschichte der Zweiten Republik hielten sich so viele Staatsoberhäupter und hochrangige ausländische Politiker in Wien auf

Wien - Alle Staatsoberhäupter der Nachbarstaaten waren vertreten, jedes achte Land, das einen Sitz in der UNO hat, schickte hochrangige Abgesandte zum Staatsbegräbnis von Thomas Klestil, seit dem Wiener Kongress 1814-1815 waren nicht mehr so viele Staatschefs in Österreich zu Gast. In der Wiener Hofburg wurde dies als klares Zeichen für die hohe Wertschätzung gewertet, die der verstorbene Bundespräsident im Ausland genossen hatte. Und es schien, als ob sich die hervorragenden Kontakte, die Thomas Klestil aufgebaut hatte, sich nahtlos auf seinen Nachfolger Heinz Fischer übertragen hätten.

Schon vor dem Empfang, den Fischer am Samstag nach dem Staatsbegräbnis in der Hofburg gab, kam es zu mehreren bilateralen Treffen mit ausländischen Staatsoberhäuptern. Russlands Präsident Wladimir Putin, der mit 160 Mann Begleitung und zwei Limousinen eingeflogen war, versprach Fischer, er wolle sich dafür einsetzen, dass das Originaldokument des österreichischen Staatsvertrags 2005 für die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag zur Verfügung gestellt werde. Das Originaldokument befindet sich nämlich im russischen Staatsarchiv in Moskau.

Mit Horst Köhler, deutscher Bundespräsident und bekennender Fußballfan, vereinbarte Fischer, dass sie gemeinsam am 18. August in Wien das Fußball-Ländermatch Österreich gegen Deutschland besuchen. Der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi wiederum lud Fischer für den Herbst zu einem Besuch nach Rom ein. Und mit dem scheidenden tschechischen Premier Vladimír Spidla sprach der neue Bundespräsident über Frage eines Referendums zur EU-Verfassung.

Alle Gespräche seien in "herzlicher, guter Atmosphäre" verlaufen, erklärte danach Bruno Aigner, Sprecher und langjähriger Sekretär Fischers. Der freundschaftliche Charakter der Begegnungen sei auf die amikale Amtseinführung durch Klestil ebenso wie auf die große internationale Erfahrung Fischers zurückzuführen, meinte Aigner zum STANDARD.

Beim eigentlichen Empfang am Abend - zu Mittag hatte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in das Bundeskanzleramt geladen - war dann Arnold Schwarzenegger, Gouverneur von Kalifornien und berühmtester Auslandssteirer Österreichs, der erste Gast in der Hofburg. Nach einigen Minuten im fast leeren Saal entschloss sich der Schwarzenegger in einem Nebenraum Interviews zu geben, in denen er seine Verbundenheit mit Österreich betonte, bevor er zu einem Kurzbesuch nach Graz aufbrach.

Zuvor hatten Schwarzenegger und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber allerdings noch festgehalten, dass der Freistaat mit dem US-Bundesstaat enger zusammen arbeiten wolle. Zwischen beiden Regionen gebe es "viele Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Weltoffenheit und des Lebensgefühls", meldete ein Sprecher Stoibers.

In der steirischen Landeshauptstadt wurde Schwarzenegger dann um Mitternacht in einem Innenstadtlokal gesichtet, bevor er am Sonntag Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic seine Aufwartung machte, um danach wieder in die USA zurückzufliegen.

Und in der Hofburg kehrte nach den turbulenten Tagen, die Fischer mit großer Würde gemeistert hatte, wieder die Ruhe des Alltags ein. (Gerhard Plott/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.7.2004)

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    Arnold Schwarzenegger nannte Thomas Klestil einen "alten Freund". Sie lernten sich in Los Angeles kennen, als Klestil dort zwischen 1969 und 1974 Generalkonsul war.

  • Russlands Präsident Wladimir Putin kondolierte Margot Klestil-Löffler und hob die freundschaft- 
lichen Beziehungen hervor, die ihn mit Thomas Klestil verbanden.
    foto: epa

    Russlands Präsident Wladimir Putin kondolierte Margot Klestil-Löffler und hob die freundschaft- lichen Beziehungen hervor, die ihn mit Thomas Klestil verbanden.

  • Prinzessin Anne vertrat Großbritannien beim Staats- 
begräbnis in Wien und sprach Bundeskanzler Wolfgang Schüssel das Beileid aus.

    Prinzessin Anne vertrat Großbritannien beim Staats- begräbnis in Wien und sprach Bundeskanzler Wolfgang Schüssel das Beileid aus.

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