Schachner und das Jahr nach dem Titel

23. Juli 2004, 18:57
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Meister GAK gilt als Favorit für die T-Mobile-Liga, sein Trainer gilt als Hauptgrund dafür - Walter Schachner im STANDARD-Interview

Standard: Herr Schachner, waren Sie bei der EM?
Schachner: Wie, wenn ich Trainingslager hab'?

STANDARD: Was haben Sie beim Fernsehen gelernt, wo man ja alles viel besser sieht?
Schachner: Die Verbindung von Hingabe und Taktik ist das Rezept zum Erfolg.

STANDARD: Viele spötteln über Rehhagels altmodische Spielanlage. Sie auch?
Schachner: Überhaupt nicht. Rehhagel hat am besten von allen sein Personal analysiert und die dafür passende Struktur gefunden. Das ist nicht altmodisch, das ist avantgardistisch. So arbeite ich beim GAK auch. Auf jeden Gegner bereiten wir uns eigens vor.

STANDARD: Hat Sie das Ausscheiden der Italiener, Spanier, Holländer und Franzosen überrascht?
Schachner: Nicht alle. Die Holländer und Franzosen hatten zum Beispiel kein Kollektiv, waren in der Defensive undiszipliniert. Die Tschechen sind an der Chancenauswertung gescheitert. Die Italiener hat der Giovanni Trapattoni auf dem Gewissen, er hätte wissen müssen, dass Vieri und del Piero wegen Verletzungen nicht auf der Höhe sind und der Totti mit den Gedanken woanders. Ich war in Italien, ich hab' das gesehen. Und dann spielen alle drei, das konnte nicht gut gehen.

STANDARD: Ist der GAK heuer stärker oder schwächer als im Vorjahr und warum?
Schachner: Wir haben uns personell sehr gut ergänzt, Sionko geht ein bisschen ab, aber Plassnegger wird ihn gut ersetzen, man hat im Supercup gesehen, dass er noch Anpassungsprobleme hat. Und Skoro ist jetzt schon ein wichtiger Mann. Grundsätzlich bring' ich nur vorsichtig Neue, damit das Gefüge nicht gestört wird.

STANDARD: Was hat sich am Spiel des GAK geändert?
Schachner: Der Spielfluss klappt bereits sehr gut, und wenn ich von draußen auf der Bank sehe, wie die Mannschaft von selber von 4-4-2 auf 3-5-2 oder 3-4-3 umschaltet, wenn es notwendig ist, dann krieg' ich richtige Begeisterungsanfälle.

STANDARD: Das Jahr des ersten Titelgewinns ist kein Lapperl, das nächste schwerer?
Schachner: Genau so ist es. Wie bei einem Haubenlokal. Die Bestätigung ist immer schwieriger. Aber unser Kern ist zwei Jahre zusammen.

STANDARD: Die Austria wird wieder der größte Gegner?
Schachner: Die Austria wird ein Faktor, aber in einer Vierergruppe. Ich halte viel von Rapid, die haben zwei gute neue Stürmer, Dosek und Kincl, und die Jungen sind ein Jahr älter und erfahrener geworden. Aber der Geheimfavorit ist Pasching. Die waren schon sehr gut, und jetzt sind mit Flögel, Glieder, dem Kroaten Bule und Sariyar vier Gute dazugekommen. Das wird heuer ein Vierkampf.

ZUR PERSON: Der Zweitligakicker Walter Schachner (47) schoss bei der WM 1978 in Argentinien den Spaniern ein Tor, wurde von der Austria gekauft, stürmte sieben Jahre lang in Italiens Serie A für diverse Vereine. Trainer Schachner schaffte mit dem FC Kärnten den Aufstieg in die T-Mobile-Liga, er wurde von Frank Stronach zur Austria geholt und für Christoph Daum verstoßen. Schachner übernahm im Herbst 2002 den Letzten GAK und wurde im Juni 2004 mit ihm Meister. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 12. Juli 2004, Johann Skocek)

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