Kaufrausch mit Plastikkarte

18. Juli 2004, 17:58
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Kreditkarten-Umsätze steigen in der Urlaubszeit in die Höhe. Mit immer edleren Karten wird um neue Kundschaft gebuhlt

Wien - Den Kreditkartenfirmen ist nichts zu teuer, ihrer Kundschaft das Geldausgeben zu erleichtern. Ob mit Classic Cards, Karten für spezielle Interessengruppen wie Golfer, Vielflieger und Jazzfans oder teureren Gold Cards mit erweitertem Leistungsumfang: Auch die letzten Kartenmuffel sollen eingefangen werden.

Kreditkarten sind aber nicht nur hilfreich - sie können Anlass für Ärger sein. Insbesondere beim Versicherungsschutz sei Vorsicht geboten, warnen Konsumentenschützer. In aller Regel sei davon auszugehen, dass Standardkarten keinen ausreichenden Reiseschutz bieten. Nur in teuren Goldkarten und anderen Prämienprodukten seien sinnvolle Reiseschutzleistungen enthalten. Häufig sind diese aber an die Nutzung der Karte zur Zahlung der Reise gekoppelt.

2,5 Millionen Kreditkarten in Österreich

Insbesondere vor Beginn der Reisesaison schnellen die Kartenanträge hinauf, was sich in der Folge auch in steigenden Umsätzen niederschlägt. In Österreich sind Schätzungen zufolge knapp 2,5 Mio. Kreditkarten in Umlauf. Damit werden fünf Milliarden Euro umgesetzt - macht rund 2000 Euro pro Karte und Jahr.

Marktführer ist MasterCard mit mehr als 960.000 ausgegebenen Karten, dicht gefolgt von Visa (gut 940.000), dahinter Diners (knapp 200.000).

Glanz von Platin

American Express (Amex) als Vierter im Bunde gibt keine Länderzahlen bekannt, sieht sich aber als Vorreiter bei der Kreation neuer Produkte. "Wir waren die Ersten, die 1985 eine Platinum Card auf den Markt gebracht haben", bemerkt der bei Amex Österreich für das Privatkundengeschäft verantwortliche George Frey im STANDARD-Gespräch. In Österreich gibt es das Produkt erst seit diesem Frühjahr.

Die American Express Platinum richtet sich an ein kleines Segment von Jetsettern mit höchsten Ansprüchen an Serviceleistungen in den Bereichen Lifestyle, Sicherheit und Reise. Die Jahresgebühr beträgt 500 Euro und beinhaltet bis zu sechs weitere Karten für Familienmitglieder und Geschäftszwecke (siehe Tabelle). Das rund um die Uhr verfügbare Leistungspaket beinhaltet unter anderem die Organisation von Eintrittskarten im In- wie im Ausland, Reservierungen, Zugang zu 400 Flughafenlounges sowie eine Reiseversicherung im Krankheitsfall, für Gepäck und Stornierungen. In den exklusiven Klub kommt man nur auf Einladung der Geschäftsleitung.

Das gilt auch für die Premium Card von Diners, die es in Österreich ebenfalls erst seit heuer gibt. Auch sie wird an Topkunden verliehen. Beantragen kann man sie nicht.

Das ist bei der MasterCard Platinum anders. Sie kann man beantragen, muss aber ein Mindesteinkommen von jährlich 200.000 Euro netto nachweisen.

Das Topprodukt von Visa ist die Gold Card, die dem Inhaber für eine Jahresgebühr von 105,38 Euro einen Einkaufsrahmen von 7500 Euro pro Monat gewährt. "Da noch draufzusatteln würde sich nicht rechnen", sagt Visa-Österreich-Chef Helmut Nahlik. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.7.2004)

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    In Österreich sind Schätzungen zufolge knapp 2,5 Millionen Kreditkarten in Umlauf.

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