Merkels Angriff

25. Juli 2004, 19:45
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Nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" ging die CDU-Vorsitzende erneut in die Offensive - Von Alexandra Föderl-Schmid

Angriff ist die beste Verteidigung. Diese Methode hat Angela Merkel schon öfter mit Erfolg angewandt. Als erste CDU-Spitzenpolitikerin hat sie den Umgang mit Spenden - übrigens in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung - kritisiert und sich so von Altbundeskanzler Helmut Kohl distanziert. Sie wagte sich auch als erste aus der Deckung, als die Suche nach einem neuen Parteivorsitzenden losging. Merkel berief dann Versammlungen der Basis ein, ohne deren Unterstützung sie nicht so leicht als erste Frau den Sprung an die Spitze der konservativen Volkspartei geschafft hätte. Zuletzt setzte sie Horst Köhler als Präsidentschaftskandidaten der Opposition durch.

Nun ging die CDU-Vorsitzende erneut in die Offensive - wieder im Frankfurter Blatt. Ehe ihr angesichts des vielstimmigen Kanons in der Union zu praktisch allen Projekten Führungsschwäche vorgeworfen wird, übte sie selbst scharfe Kritik am Erscheinungsbild der Partei. Ihrer schonungslosen Analyse ist nichts hinzuzufügen: Merkel hat schlicht recht, wenn sie konstatiert, der Union fehle es an Klarheit, Geschlossenheit, Glaubwürdigkeit und Stringenz. Sie blendet jene Umfragewerte nicht aus, die auch für ihre Partei bedenklich sind. Das jüngste Politbarometer sieht zwar die Union bei 46 Prozent, verweist aber gleichzeitig darauf, dass es der Opposition nicht gelungen ist, sich als Alternative zur Regierungskoalition zu profilieren. 59 Prozent erwarten auch von einem unionsgeführten Kabinett keine bessere Arbeit, elf Prozent sogar schlechtere.

Merkel will rechtzeitig vor der Wahl 2006 Probleme und Defizite in ihrer Partei beseitigen und sich möglichst bald die Kanzlerkandidatur sichern. Mit ihrer Forderung nach Geschlossenheit und Klarheit versucht Merkel auch, ihre Partei und möglichst auch die CSU hinter ihre Positionen zu zwingen. Ihr Ziel ist klar: Merkel will erste Kanzlerin Deutschlands werden. Sie ist bereit für die Regierungsübernahme, ihre Partei noch nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.7.2004)

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