Breite Ablehnung der 50-Stunden-Woche in Deutschland

18. Juli 2004, 19:33
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IG Metall: Notfalls Streik

Hamburg/Nürnberg - Forderungen nach einer generellen Verlängerung der Wochen-Arbeitszeit und weniger Urlaub sind in Deutschland auf breite Ablehnung gestoßen. Die Industriegewerkschaft (IG) Metall will "notfalls" längere Arbeitszeiten und Urlaubskürzungen mit Streik verhindern. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach sich in Neuhardenberg gegen eine generelle Verlängerung der Arbeitszeit aus. CSU-Chef Edmund Stoiber und CDU-Vorsitzende Angela Merkel haben davor gewarnt, in der Diskussion über längere Arbeitszeiten zu überziehen. Stoiber sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", "50 Stunden ohne Lohnausgleich ist eine Übertreibung". Allerdings arbeiteten die Deutschen im internationalen Vergleich zu wenig, fügte er hinzu.

"Raffgier und Profitsucht braucht klare Antworten, notfalls bis zur Durchführung eines Arbeitskampfes", erklärte Bayerns IG Metall- Bezirksleiter Werner Neugebauer am Samstag in Nürnberg. Entsprechende Forderungen der Urlaubskürzung und Arbeitszeitverlängerung des Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, stießen auch in der Wirtschaft selbst auf Kritik.

"Leute wie er sind unglaubwürdig"

Der Vizechef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, BASF- Vorstandschef Jürgen Hambrecht, sagte der "Bild"-Zeitung (Samstag): "Wer Deutschland allein durch längere Arbeitszeiten aus der Misere holen will, springt zu kurz." Der Inhaber des Textilherstellers Trigema, Wolfgang Grupp, warf Rogowski vor, er habe kein Konzept. "Leute wie er sind unglaubwürdig."

"Es macht keinen Sinn, eine bestimmte Stundenzahl zu ideologisieren", sagte Schröder am Samstag nach der Kabinettsklausur in Neuhardenberg. Es komme darauf an, ein Ausmaß an Flexibilität zu schaffen, die Regelungen wie bei Siemens ermöglichten oder Firmen erlaubten, auf Aufträge flexibel reagieren zu können. Der Kanzler fügte hinzu: "Alles andere sind Hahnenkämpfe. An denen will ich mich nicht beteiligen."

"Total überreguliert"

Die Rückkehr zur 40 Stunden-Woche, die Siemens und IG Metall für zwei Werke vereinbart haben, bezeichnete CSU-Chef Stoiber als ein Beispiel für die "richtigen Antworten". Insgesamt bewertete der bayerische Regierungschef den Arbeitsmarkt in Deutschland in dem Interview als "total überreguliert". Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" sind in einem Thesenpapier der CSU aber Vorschläge für eine drastische Erhöhung der Jahresarbeitszeit enthalten. CDU-Vorsitzende Angela Merkel sprach sich gegen eine 50- Stunden-Woche aus, erklärte jedoch weiter in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Ich bin der festen Überzeugung, dass die meisten Menschen bereit sind, ein oder zwei Stunden in der Woche länger zu arbeiten, wenn dadurch ihr Arbeitsplatz sicherer wird."

IG Metall-Chef Jürgen Peters sagte in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag): "Wir werden die 35-Stunden-Woche erfolgreich verteidigen." Solange er Einfluss in der IG Metall habe, werde es "keine generelle Verlängerung der tariflichen Wochenarbeitszeit geben, erst recht keine Urlaubskürzung". (APA)

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