Asien-weite Epidemie droht

21. Juli 2004, 12:19
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Protestmarsch in Bangkok: "Ihr redet, wir sterben" - reiche Länder sollen zehn Milliarden Dollar für Kampf gegen Aids zahlen

Bangkok - In einem Protestmarsch kurz vor dem Beginn der Weltaidskonferenz haben rund 1.000 Menschen die bessere Versorgung der zumeist in den armen Ländern lebenden HIV-Infizierten verlangt. "Sagt der Welt, dass wir sterben" und "Ihr redet, wir sterben" hieß es auf ihren Plakaten in Bangkok. Die Demonstranten verlangten von den reichen Ländern, jährlich zehn Milliarden Dollar (rund acht Milliarden Euro) für den Kampf gegen HIV zu zahlen und dazu den Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria stärker zu finanzieren.

Warnung vor Asien-weiter Epidemie

Kurz vor der Eröffnung der 15. Welt-Aids-Konferenz in Bangkok hat UN-Generalsekretär Kofi Annan vor einer Asien-weiten Epidemie gewarnt. Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit stehe Asien an einem Wendepunkt, sagte Annan am Sonntag vor Regierungsvertretern der Region. Er warnte vor einer Umkehrung des wirtschaftlichen Erfolges des Kontinents, sollte die Verbreitung des HI-Virus nicht eingedämmt werden.

Nach Angaben von Experten könne sich Aids in Asien in den kommenden drei Jahren zu einer kontinentweiten Epidemie auswachsen, wenn die regionalen Regierungen nicht entschieden vorgingen. Es drohe eine Ausbreitung, die das Wüten des Virus in der Sub-Saharazone übertreffe. Eine massenhafte Verbreitung von HIV und Aids in China, Indien und Indonesien, die zusammen rund 40 Prozent der Weltbevölkerung ausmachten, wäre katastrophal.

Ein Viertel aller Neuinfektionen

Etwa ein Viertel aller HIV-Neuinfektionen gibt es in Asien. Mit der Wahl des Konferenzortes wollten die Veranstalter der weltgrößten Aidskonferenz die Politiker Asiens auf die sich rasch ausbreitende Epidemie aufmerksam machen, sagte Peter Piot, Chef des Aidsprogramms der Vereinten Nationen UNAIDS, vor dem Treffen.

Ausbreitung auch außerhalb alter "Risikogruppen"

Besonders in Teilen Chinas, Vietnams und Myanmars sind zunehmend auch Menschen betroffen, die nicht zu den alten "Risikogruppen" wie Drogenabhängige oder Prostituierte gehören. Das geht aus einem am Sonntag in Bangkok veröffentlichten Bericht des Netzwerks "Monitoring the Aids Pandemic" (MAP) hervor.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung in Asien sei jünger als 25 Jahre, sagte die Chefin des UN-Kinderhilfswerks UNICEF, Carol Bellamy. Die gute Nachricht daran sei, dass diese Gruppe noch sehr offen sei und ihr Verhalten daher auch leichter ändern könne. Allerdings seien die Informations- und Aufklärungsangebote vieler asiatischer Staaten vielfach nicht jugendfreundlich genug, sagte sie.

Spritzen-Tauschprogramm zeigt Wirkung

Dem MAP-Bericht zufolge steigen die Infektionsraten bei Drogenabhängigen zurzeit besonders in China, Indonesien und Vietnam. Bangladesch hingegen trage durch ein Tauschprogramm für Spritzen dazu bei, seine niedrigen Infektionsraten weiter unten zu halten.

Weitere Risikogruppen sind nach Angaben von MAP Prostituierte und homosexuelle Männer. Thailand und Kambodscha hingegen hätten ihre Epidemien durch die gezielte Ansprache von Prostituierten und deren Kunden eindämmen können. In einigen Regionen Chinas, Vietnams und Myanmars hingegen verbreite sich HIV inzwischen auch außerhalb der "Risikogruppen", heißt es in dem Report weiter. Demnach leben in China zurzeit etwa 840.000 Menschen mit HIV, in Myanmar 330.000 und in Thailand 570.000. (APA)

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