Debatte über effektivste Methoden im Kampf gegen HIV

16. Juli 2004, 14:00
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Enthaltsamkeit nicht Schwerpunkt der Konferenz - US-Delegation drastisch reduziert

Bangkok - In Thailand haben sich am Sonntag tausende Experten zur 15. Internationalen Aidskonferenz versammelt, um über den Kampf gegen die globale Immunschwächekrankheit zu beraten. Weltweit sind 38 Millionen Menschen mit HIV infiziert, 30 Millionen von ihnen in Entwicklungsländern. Im vergangenen Jahr steckten sich fünf Millionen Menschen mit dem Virus an, drei Millionen starben. Das waren die höchsten Zahlen seit Entdeckung des Virus vor 23 Jahren.

UN-Generalsekretär Kofi Annan hat vor dramatischen Folgen in Asien gewarnt, sollte die Krankheit nicht eingedämmt werden. Sie zerstöre nicht nur Millionen von Leben, sagte Annan am Sonntag vor Ministern der asiatisch-pazifischen Region. Zugleich entstehe eine enorme Last für die Gesundheitssysteme, während Ressourcen verbraucht würden, die für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung bitter nötig seien.

Besserer Zugang zu Medikamenten

Der Schwerpunkt der einwöchigen Konferenz, zu der neben 20.000 Politikern, Wissenschaftern und Betroffenen auch Prominente wie die Hollywoodstars Richard Gere und Ashley Judd in Bangkok erwartet wurden, liegt auf dem besseren Zugang zu Medikamenten und besserer Vorbeugung. "Es wird viel über unterschiedliche Ansätze zum Schutz gegen Aids debattiert werden", sagte Craig McClure, Direktor der Internationalen Aids-Gesellschaft. Etwa über die Effektivität von Abstinenzprogrammen im Vergleich zur Verteilung von Kondomen und Aufklärung. Zu den weiteren Themen zählt auch die Versorgung Infizierter in armen Ländern mit preiswerteren Kopien patentgeschützter Medikamente.

Routinemäßige HIV-Tests

In Abkehr von der bisherigen Praxis dringen die Experten der Vereinten Nationen auf routinemäßige HIV-Tests in der Dritten Welt. So sollte etwa allen Patienten in Krankenhäusern ein HIV-Test angeboten werden. Bisher müssen sie nach einem Test fragen. Die Experten verwiesen darauf, dass in den Entwicklungsländern 90 Prozent der mit dem HI-Virus Infizierten nicht wüssten, dass sie Träger des Erregers seien.

Verpasste Chance

Wenn Menschen bei einem Krankenhausaufenthalt kein HIV-Test angeboten werde, sei dies eine verpasste Chance für eine frühzeitige Erkennung einer HIV-Infektion oder zumindest eine verpasste Gelegenheit zu einem Gespräch über die Vermeidung von Aids, sagte Peter Piot, der Leiter des Aids-Programms der Vereinten Nationen (UNAIDS). Und derzeit gebe es Millionen dieser verpassten Gelegenheiten. Der Leiter der für HIV zuständigen WHO-Abteilung, Jim Yong Kim, betonte jedoch, dass ein HIV-Test nur auf freiwilliger Basis durchgeführt werden dürfe. Auch müsse eine eingehende Beratung erfolgen und die Vertraulichkeit gewahrt bleiben.

Fortschritt, aber noch ein weiter Weg

In zwei am Samstag vorgestellten Berichten der Vereinten Nationen wird zwar ein bedeutender Fortschritt hinsichtlich der Versorgung mit Aids-Medikamenten festgestellt. Um das UN-Ziel zu erreichen, bis 2005 drei Millionen Menschen in den armen Ländern zu erreichen, sei es jedoch noch ein weiter Weg.

Derzeit werden 440.000 Aidskranke in Entwicklungsländern behandelt, immerhin doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass die Krankheit im kommenden Jahr bei 5,5 Millionen Infizierten voll ausbrechen wird. Davon sollen mindestens drei Millionen mit Medikamenten erreicht werden, nach der so genannten "drei von fünf"-Strategie.

US-Delegation drastisch verkleinert

Experten kritisierten die Entscheidung der USA, ihre Delegation drastisch zu verkleinern. Nahmen 2002 in Barcelona noch 236 US-Delegierte an der Konferenz teil, sind es dieses Mal nur 50. Die USA nannten Kostengründe, Kritiker sehen aber einen politischen Hintergrund: Anders als die Regierung von US-Präsident George W. Bush lege die Konferenz ihren Schwerpunkt nicht auf Enthaltsamkeit. (APA)

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    UN-Generalsekretär Kofi Annan warnt vor "dramatischen Folgen"

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