Porno-Affäre in St. Pölten weitet sich aus

11. Juli 2004, 19:31
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Laut "Profil" 40.000 weitere Bilder gefunden - Auch Subregens will zurücktreten - Krenn hat Bilder gesehen: "Buben-Dummheiten"

Wien - Die Porno-Affäre im St. Pöltner Priesterseminar hat sich ausgeweitet: Fahnder haben einem Bericht des Nachrichtenmagazins "profil" zufolge zuletzt weitere 40.000 Fotos sowie "zahlreiche Filme mit teils abartigen Sexdarstellungen" in den Zimmern angehender Gottesdiener gefunden. Es gebe auch Bilder, auf denen Jungpriester "in perversen Situationen, teils mit ihren Vorgesetzten", zu sehen sein sollen.

Der St. Pöltener Bischof Kurt Krenn (68) hat am Sonntag in der ORF-Sendung "Orientierung" bestätigt, ein Foto gesehen zu haben, auf dem der mittlerweile zurückgetretene Leiter des örtlichen Priesterseminars einem anderen (angezogenen) Mann ans Gemächt greift.

Auch die Existenz eines Bildes, wo sich der Subregens in einem innigen Kuss mit einem Mann befindet, bestritt der Bischof nicht. Was er hier gesehen habe, seien aber "in keiner Weise Dinge, die mit Homosexualität zu tun habe." Es handle sich um Buben-Dummheiten.

Eines der Fotos sei im Rahmen einer Weihnachtsfeier entstanden: "Da haben sich die da irgendwo etwas herzlicher geäußert." Er würde das nie gut heißen, betonte Krenn. Sollte es tatsächlich Übergriffe gegeben haben, "dann schmeißen wir den natürlich heraus und werden uns bei allen entschuldigen, die Schaden erlitten haben".

"Vielleicht falsche Personalentscheidungen"

Zu Wort gemeldet haben sich Kenner der Diözese, die ungenannt bleiben wollten. Der Bischof könne sicher nichts für die Vorfälle im Priesterseminar, lautete eine Aussage. Er habe allerdings "vielleicht falsche Personalentscheidungen getroffen".

Das am Montag erscheinende "profil" zitiert in dem Bericht über die Affäre einen "leitenden Ermittlungsbeamten": "Sie haben sich selbst fotografiert, weil auch das eine Art Lustgewinn war. Und weil sie es auch mit dem Chef und seinem Stellvertreter getrieben haben, war das alles so normal, und man hat sich ganz sicher gefühlt."

Rücktritte

Vor einigen Tagen war Regens Ulrich Küchl, Leiter des Seminars, zurückgetreten. Er wolle mit diesem Schritt "eine Beruhigung der angespannten Lage erreichen", hieß es in einem Schreiben. Die Vorwürfe gegen ihn bezeichnete er als haltlos. Nun hat laut "profil" auch Subregens Wolfgang Rothe, der zugleich Sekretär und Rechtsberater von Krenn ist, seinen Rücktritt angekündigt.

Saufgelage und Sexseiten

Höchste Würdenträger der Erzdiözese hätten sich zu einer akkordierten Aktion entschlossen, die die Wahrheit an die Öffentlichkeit bringen soll, schreibt das "profil". In dem Artikel heißt es wörtlich: "Krenns Regens beim Sex mit Untergebenen, Krenns Sekretär und Rechtsberater ebenfalls. Polternde, bis in die Morgenstunden anhaltende Saufgelage durch Seminaristen im dritten Stock, die andere Priesteranwärter im Erdgeschoß zum Schlafen am Boden treiben, weil es zu laut ist. Angehende Priester, die sich mit kinderpornografischen Fotos in Stimmung bringen. Auch Naziparolen sollen zu hören gewesen sein." Jener vor einem halben Jahr beschlagnahmte Computer, der die Affäre ins Rollen gebracht hat, sei mit meist polnischen Sexseiten verstopft gewesen.

Keine Hinweise auf Nötigungen

Es gebe allerdings keine Hinweise darauf, dass Priesterschüler von Vorgesetzten zu sexuellen Handlungen genötigt worden wären. "profil" zitiert einen ungenannten Wiener Diözesanrichter: Ein von dem Magazin veröffentlichtes Foto mit Küchl und einem Schüler stelle einen "eindeutigen Missbrauch der Amtsautorität laut Kirchenrecht" dar.

Die Aufdeckung des Skandals sei von einer "breiten Front hoher und höchster Würdenträger der Diözese St. Pölten" ermöglicht worden, die entschlossen sei, das "Doppelleben" nicht mehr mit zu spielen. Diese Gruppe erhebt auch gegen Bischof Krenn schwere Vorwürfe, hat Rom bereits eingeschaltet und die Entmachtung Krenns vorbereitet, schreibt "profil". (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Krenn spricht von "Buben-Dummheiten".

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