Otto Rehhagel sagt ab, Griechen erhöhen Gehalt deutlich

30. Juli 2004, 13:21
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Trainer will seinen Vertrag erfüllen - Große Freude in Hellas: "Geld ist für König Otto nicht alles"

Frankfurt/Main - Nach Ottmar Hitzfeld hat auch Otto Rehhagel dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen Korb gegeben und auf das Amt des Bundestrainers verzichtet. In einem Telefongespräch am Samstagnachmittag mit DFB-Vize Franz Beckenbauer sagte der Coach von Europameister Griechenland ab. Nach der Absage der zwei Wunschkandidaten beginnt die Suche nach einem Nachfolger von Teamchef Rudi Völler damit erneut.

Rehhagel soll im Telefonat mit Beckenbauer um Verständnis für seinen Schritt gebeten und erklärt haben: Er stehe beim griechischen Fußballverband im Wort, habe sich in drei Jahren dort etwas aufgebaut und möchte seinen bis zur WM 2006 laufenden Vertrag erfüllen.

Beckenbauer hatte in der "Bild"-Zeitung, deren Kolumnist er ist, mehrfach die Qualifikation Rehhagels hervorgehoben und damit den Eindruck erweckt, er wolle ihn als Bundestrainer. Nach einem Bericht des Blattes (Samstagausgabe) sollte dem Trainer-Routinier ein Gehalt von 5 Millionen Euro bis zur WM 2006 angeboten werden. Zugleich wollte der DFB versuchen, den 65-jährigen mit einer Summe von 1 Million Euro beim griechischen Verband "auszulösen".

"Habe nie an andere Entscheidung geglaubt"

Der Athener Radiosender Antenna sendete am Sonntagmorgen ein Gespräch mit dem Präsidenten des griechischen Fußball-Verbandes (EPO), Vassilis Gagatsis, das am Samstagabend genau in dem Moment aufgenommen worden war, als die Entscheidung Rehhagels bekannt wurde: "Ich habe nie an eine andere Entscheidung geglaubt. Nie! Ich kenne den Mann", sagte Gagatsis.

Für Rehhagel zähle viel mehr als die formelle Sache eines Vertrages sein Wort: "Wir haben sogar über eine Verlängerung des Vertrages bis 2008 gesprochen. Er sagte mir aber, er wolle nicht mit dem Rollstuhl aus den Stadien getragen werden."

Ordentliche Gehaltserhöhung

Am Montag wurde dann eine saftige Gehaltererhögung für Rehhagel gemeldet. Laut griechischem Rundfunk soll er für die nächsten zwei Jahre insgesamt 2,4 Millionen Euro erhalten. Bisher erhielt der Deutsche jährlich 700.000 Euro. Sollte sich Griechenland für die WM 2006 in Deutschland qualifizieren, gibt es eine Sonderprämie in Höhe von 500.000 Euro.

Offen ist dagegen noch die Höhe der Prämie für den Gewinn der EM. Im bis 2006 laufenden Vertrag Rehhagels war keine Extra-Zahlung vorgesehen, da niemand mit dem Erfolg gerechnet hatte.

Jubel in der Presse

In der griechischen Sportpresse wurde die Entscheidung Rehhagels gefeiert. Die "Sporttime" meinte: "Er ist würdig der Liebe und des Vertrauens, das ihm die Griechen zeigten. Geld ist für König Otto nicht alles im Leben", schrieb das Blatt weiter. "Wir ehren Rehhagel, weil er eine für ihn sehr schwierige Entscheidung getroffen hat." (APA/dpa)

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