UN-Aids-Kampagne leidet unter Geldmangel

10. Juli 2004, 16:04
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440.000 Menschen behandelt - Bis 2005 sollten drei Millionen HIV-Infizierte versorgt werden

Bangkok - Die Vereinten Nationen (UN) haben mit ihrer Anti-Aidskampagne wegen Geldmangels bisher weniger Menschen erreicht als erhofft. Derzeit erhalten rund 440.000 Menschen in den armen Ländern der Welt Medikamente gegen das Aidsvirus HIV; das gesteckte Ziel von 500.000 behandelten Menschen bis Juni 2004 wurde damit verfehlt, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO am Samstag in Bangkok erklärte.

In der thailändischen Hauptstadt legte die WHO den ersten Zwischenbericht der vor einem halben Jahr gegründeten Initiative "3 bis 5" ("3 by 5") vor. Diese soll bis zum Jahr 2005 drei Millionen HIV-Infizierte versorgen. Die Kosten dafür beziffert die WHO auf 5,5 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro). In Bangkok beginnt an diesem Sonntag die 15. Welt-Aids-Konferenz.

Trotz der finanziellen Probleme sei "3 bis 5" ein guter Start und bleibe ein realistisches Ziel, sagte der HIV-Verantwortliche der WHO, Jim Kim. Immerhin würden heute doppelt so viele Menschen mit Aids-Medikamenten versorgt wie noch vor zwei Jahren. Bedeutende Spenden seien aus Kanada, Schweden und Großbritannien eingegangen.

"Wir haben noch einen langen Weg zu gehen", sagte Peter Piot, Chef des UN-Aidsbekämpfungsprogramms UNAIDS, das wie viele weitere Organisationen an "3 bis 5" beteiligt ist. Die Frage laute inzwischen nicht mehr, "ob" die Behandlung der armen Patienten grundsätzlich möglich sei, sondern "wie" diese behandelt werden können, ergänzte Piot. Hoffnungsvoll sei, dass zunehmend Geld eingehe und dass es in den betroffenen Ländern den politischen Willen zur Behandlung gebe.

Nach WHO-Angaben sind in den vergangenen sechs Monaten bereits rund 15.000 Menschen zusätzlich medizinisch ausgebildet worden. Bis Ende 2005 hofft die WHO auf mindestens 100.000 neu ausgebildete so genannte health worker.

"3 bis 5 ist das Vehikel, mit dem wir den Durchbruch schaffen können", ergänzte Stephen Lewis, der Aids-Sondergesandte des UN-Generalsekretärs für Afrika. Dort gebe es genügend Personal und Möglichkeiten, um die Behandlung auch im großen Maßstab zu beginnen. Nach WHO-Angaben ist eine Medikamentenbehandlung inzwischen für rund 150 Dollar je Patient und Jahr möglich. Bereits in zwei Jahren sollte das Ziel "6 bis 7" lauten, forderte Lewis, also Medikamente für sechs Millionen Menschen im Jahr 2007. Laut WHO ist Aids zurzeit bei sechs Millionen Menschen ausgebrochen.

UNAIDS-Chef Piot wies darauf hin, dass Aids die Krise vieler afrikanischer Gesundheitssysteme deutlich mache. So seien in Kenia mehrere tausend dringend benötigter Krankenschwestern entlassen worden und damit arbeitslos. Zudem verließen viele Krankenschwestern das Land, um zum Beispiel in Großbritannien zu arbeiten - oder sie stürben an Aids. Daher komme es darauf an, die verbleibenden Kräfte zu bündeln, medizinisch zu versorgen und neue Helfer ins Land zu bringen, verlangte Piot. (APA/dpa)

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