Thomas Klestil in der Präsidentengruft beigesetzt

11. Juli 2004, 18:40
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Kardinal Schönborn leitete kirchliche Zeremonie - 10.000 Menschen säumten seinen letzten Weg - 400 Ehrengäste und 25 Staatsoberhäupter bei Requiem im Wiener Stephansdom

Wien - Der verstorbene Bundespräsident Thomas Klestil ist am Samstagnachmittag in einem feierlichen Staatsbegräbnis auf dem Zentralfriedhof beigesetzt worden. Die Anteilnahme der Bevölkerung war beeindruckend: 10.000 Menschen nahmen an der Beisetzungsfeier teil. Um 15 Uhr wurde der Sarg zu den Klängen des Liedes "Vom guten Kameraden" in die Präsidentengruft vor der Lueger-Gedächtniskirche abgesenkt.

Begonnen hatte der letzte Weg des verstorbenen Staatsoberhaupts kurz nach 14.30 Uhr mit der Segnung des Sarges durch Kardinal Christoph Schönborn. Wenig später setzte sich der Trauerkondukt zu "Radetzkys Nachruf" vom Tor 2 des Zentralfriedhofs in Richtung Präsidentengruft in Bewegung. Vorne weg marschierten zwei Ehrenkompanien des Bundesheeres, die Gardemusik, die Kranzträger und ein Soldat mit dem "Großstern", dem Orden der österreichischen Bundespräsidenten. Ebenfalls noch vor dem Sarg, der auf einer Lafette von einem Bundesfahrzeug gezogen wurde, kam eine Abordnung des Cartellverbandes, dem Klestil angehört hatte, und die Vertreter der Geistlichkeit mit Schönborn an der Spitze.

Unmittelbar nach dem Sarg an der Spitze des Trauerzuges ging Klestils Witwe Margot Klestil-Löffler und die engste Familie des Bundespräsidenten, darunter auch dessen drei Kinde aus erster Ehe.

Zahlreiche Staatsgäste

Danach folgten die Spitzen des Staates, allen voran der neue Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und die Bundesregierung, die Präsidenten des Nationalrates sowie die Landeshauptleute und die Chefs der Parteien. Gesäumt wurde der Trauerzug von 10.000 Zusehern. Deren Interesse galt freilich nicht nur den Trauerfeierlichkeiten sondern auch den zahlreichen ausländischen Staatsgästen - allen voran dem kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Russlands Präsident Wladimir Putin, der bei Klestils Requiem im Stephansdom noch anwesend war, nahm am Begräbnis selbst nicht mehr teil.

Die Einsegnungsfeier vor der Lueger-Kirche wurde mit der Bundeshymne eröffnet. Dann begann die kirchliche Begräbniszeremonie. "Der Herr schenke Dir das ewige Leben", betete Kardinal Christoph Schönborn. Zum Abschluss der Feier sang der Chor das Marienlied "Schutzfrau Österreichs".

Die Familie und die Ehrengäste nahmen vom Verstorbenen ein letztes Mal Abschied am offenen Grab und gaben ihm rote Rosen mit auf den letzten Weg.

Requiem im Wiener Stephansdom

Die Begräbnisfeierlichkeiten hatten Samstagfrüh mit einem rund eineinhalbstündigen Requiem im Wiener Stephansdom begonnen. Danach läutete die Pummerin, die größte Glocke des Landes. Nach der Totenmesse verabschiedete Kardinal Schönborn vor dem Dom die in- und ausländischen Ehrengäste persönlich.

Rund 3.500 Teilnehmer waren zur Totenmesse in den Dom gekommen - darunter die Familienangehörigen des Verstorbenen und 400 Ehrengäste. Kardinal Christoph Schönborn würdigte in seiner Predigt noch einmal Klestil als "leidenschaftlichen Patrioten" und "überzeugten Europäer".

Edith Klestil von Schönborn eingeladen

Der Sarg mit den sterblichen Überresten war vor dem Altarraum im Mittelschiff des Doms aufgestellt worden. In den vordersten Reihen der rechten Seite nahm die Familie des Verstorbenen Platz, an der Spitze die Witwe Margot Klestil-Löffler. In der zweiten Reihe saßen die drei Kindern und die geschiedene Ehefrau, Edith Klestil - dem Vernehmen nach wurde sie von Kardinal Schönborn persönlich eingeladen.

Die vorderen Sitzreihen der linken Seite war für die in- und ausländische Politprominenz reserviert: An der Spitze Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sowie 25 ausländische Staatsoberhäupter. Der wohl prominenteste Trauergast, der russische Präsident Wladimir Putin, kam knapp nach Beginn des Requiems direkt vom Flughafen in den Dom. Er war - ebenso wie der Gouverneur von Kalifornien, der gebürtige Steirer Arnold Schwarzenegger, der die Trauerdelegation aus den USA anführte - persönlich mit Klestil befreundet.

"Wirklich ein Weltbürger"

In der sehr persönlich gehaltenen Predigt würdigte Kardinal Schönborn noch einmal die Verdienste Klestils für die Republik: Dass er "auf beispielhafte Weise wirklich ein Weltbürger" gewesen sei, würden die Gäste aus der ganzen Welt eindrucksvoll bezeugen. Wie schon bei der Trauerfeier im Parlament bedauerte Schönborn auch bei dem Requiem, dass Klestil nicht schon zu Lebzeiten die jetzt ausgesprochene Anerkennung zuteil geworden sei: "Schmerzlich und beschämt stellen wir fest, dass auch für Dich das recht österreichische Geschick galt, erst nach dem Tod jene Anerkennung zu finden, die Dir anderswo schon längst zu Teil geworden ist. Umso mehr gelte Dir heute und weiterhin der Dank Österreichs, unser aller Dank." (APA)

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    Die Witwe des Verstorbenen, Margot Klestil-Löffler, hinter dem Sarg des verstorbenen Bundespräsidenten.

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    Um 15 Uhr wurde der Sarg zu den Klängen des Liedes "Vom guten Kameraden" in die Präsidentengruft vor der Lueger-Gedächtniskirche abgesenkt.

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