"Vision Rheintal"

11. Juli 2004, 18:54
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Raumplanung soll nicht länger eine Materie für Experten sein - Bewohner planen ihre Region mit Blick über die Grenze

Götzis - Raumplanung soll nicht länger eine Materie für Experten sein. "Mich hat immer belastet, dass so wenige Menschen wissen, was Raumplanung ist", erklärt Wirtschafts- und Raumplanungs-Landesrat Manfred Rein (VP) den Hintergrund für das von ihm initiierte Projekt "Vision Rheintal". Bürgerinnen und Bürger sollen in einem "offenen Beteiligungsprozess ein Leitbild zur räumlichen Entwicklung und zur regionalen Kooperation erstellen".

Raumplanung einer Region

Im Vorarlberger Rheintal werden 73 Prozent des Bruttoregionalprodukts erarbeitet. In den 26 Tal- und drei Berggemeinden leben rund 230.000 Menschen. Noch herrsche in der größten Vorarlberger Region die "lokale Sichtweise vor", das Rheintal sei "politisch nicht als Region existent", stellt Friedrich Schindegger vom Österreichischen Institut für Raumplanung fest. Das soll sich nun ändern.

Natürliche und Barrieren im Kopf

In zwei Jahren will Projektleiterin Sybilla Zech die Ergebnisse der "Vision Rheintal" präsentieren. Vorerst gelte es die Frage zu klären, ob sich "weiter ein gesichtsloses Siedlungsband von Feldkirch bis Bregenz erstrecken soll und ob die natürlichen und politischen Grenzen auch Barrieren im Kopf bleiben", sagt die Raumplanerin. Anfang der Woche wurde zum Rheintal-Forum geladen. Über 100 Interessierte kamen und hörten sich an, was Bürgermeister zum Thema regionale Zusammenarbeit zu sagen haben.

Fazit der Veranstaltung: Die Kommunalpolitiker wollen - verbal - weg vom Kirchturmdenken. Kooperationen werden angedacht, umgesetzt werden sie vor allem in kleineren Gemeinden. Zusammengearbeitet wird in der Alten-und Kinderbetreuung, bei der Organisation des öffentlichen Personennahverkehrs und jetzt auch in der Verwaltung: Elf der zwölf Vorderlandgemeinden wollen ein gemeinsames Bauamt einrichten.

Grenzüberschreitende Projekte

Während man sich mit der Vision Rheintal noch innerhalb der Vorarlberger Grenzen bewegt, wagen sich einzelne Gemeinden auch bereits an grenzüberschreitende Projekte. So entwickeln Mäder und Frastanz gemeinsam mit einer Schweizer und zwei Liechtensteiner Gemeinden im "Mikronetzwerk Rheintal" Maßnahmen zur nachhaltigen Mobilität.

Denn "man muss das Rheintal als Ganzes sehen, aus den Schnittstellen zu den Schweizer Nachbarn sollen Nahtstellen werden", skizziert der Mäderer Bürgermeister Rainer Siegele (VP) seine Vision zum Tal. (jub, DER STANDARD Printausgabe 10/11.7.2004)

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