Die Heimkehr und noch ein paar Sätze

11. Juli 2004, 21:14
posten

Barbara Schett verabschiedet sich langsam vom Tennis. Da passt es sehr gut, dass gegen die USA in ihrer Heimatstadt Innsbruck gespielt wird

Wien/Innsbruck - Glücklicherweise ist die Barbara Schett ein positiver Mensch. Nur wenn sie auf einem Tennisplatz steht und über diesen laufen soll, wird sie lethargisch, fast traurig. Der Schläger gehorcht dem Frauchen nicht mehr, was eine kleine Übertreibung ist, im Prinzip aber stimmt. Da kann es sein, "dass ich ein tiefes Loch falle". Das war natürlich nicht immer so, einst sind eher die Gegnerrinnen gestolpert, der genaue Zeitpunkt der Wende ist kaum zu eruieren. "Ich habe keine Lust, deprimiert zu sein, das passt nicht zu mir."

Das Ende der Karriere, die sie 1999 an die siebente Stelle der Weltrangliste befördert hatte, ist absehbar. Momentan ist Schett 89., die Tendenz ist das Gegenteil von steigend. "Ich schaffe es nicht, mich zu ärgern und daraus eine positive Stimmung zu erzeugen. Es gibt Tage, da denke ich mir, nein, eigentlich mag ich nimmer, und dann sind da Tage, an denen ich mir sage, ich will doch noch. Da müsste man fast eine Statistik machen." Ein Plan sieht vor, im Jänner 2005 ein letztes Mal die Australian Open zu bestreiten. "Mein absolutes Lieblingsturnier. Da würde sich der Kreis nach 13 Jahren schließen."

Heimgekehrt ist die 28-Jährige jetzt schon. Zu Muttern nach Innsbruck, um am Samstag und am Sonntag im Bergisel-Stadion den Fed Cup gegen die USA zu bestreiten. Zuletzt hat sie 1994 hier gespielt, anlässlich der österreichischen Meisterschaften.

In den Auslauf der berühmten Sprungschanze hat der österreichische Tennisverband einen Centre Court hinstellen lassen. Auch ein bisserl der Schett zu Ehren. "Das Ambiente ist super. Das ist etwas Einzigartiges." Allerdings vibriert der Boden leicht, der Sand gerät ins Rutschen, der Wind bläst, was Tennisspielerinnen fast so irritiert wie Skispringer. Schett: "Man gewöhnt sich an alles."

Die USA nehmen das Viertelfinale ungefähr so ernst wie eine Pubertierende den 157. Mitesser in der linken, oberen Gesichtshälfte. Captain Zina Garrison reiste mit der dritten Garnitur an. Keine Serena Williams, keine Venus Williams, keine Lindsay Davenport, auch keine Jennifer Capriati. Dafür die verletzt gewesene Chanda Rubin, Lisa Raymond, Jill Craybas und die ehrenwerte Martina Navratilova im Doppel. Navratilova zeigte Verständnis für die Absagen ihrer berühmten Landsfrauen. "Das Programm ist zu dicht, man braucht auch Pausen, der Modus wird dauernd geändert. Auf dem Papier sind wir trotzdem Favoriten."

Schett hätte liebend gerne gegen Venus Williams gearbeitet: "Das ist doch eine leichte Beleidigung für den Bewerb, wenn die Besten fehlen." Barbara Schwartz ("Wir sind Außenseiter") beginnt am Samstag (13) gegen Rubin, Schett setzt gegen Raymond fort. Am Sonntag (12) werden die Gegnerinnen getauscht. ÖTV-Captain Alfred Tesar: "Unsere Chancen sind gestiegen, es dürfte eine sehr ausgeglichene Sache werden."

Laut Tesar dürfe man, unabhängig vom Ausgang, nicht vergessen, "dass im Damentennis hinter Schett ein großes Loch klafft". Die Schett steckt derweil in der Unsicherheit. "Mindestens einmal will ich mich noch rausziehen. Alles andere wäre ärgerlich." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 10./11. 2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wartusch, Schett und Schwartz (von links) im Sprungstadion. Schett schlägt noch ein paarmal auf, später möchte sie dem Tennis in anderer Form erhalten bleiben.

Share if you care.