Ski alpin: Hannes Trinkl schnallt ab

16. Juli 2004, 10:52
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Abfahrts-Weltmeister von 2001 wird Rallye-Manager

Wien/Innsbruck - Für das Abfahrtsteam des ÖSV ist das eine Katastrophe. Vorbei die Zeit der zehnfachen Weltcup-Siege, der leidgeprüfte Skiverband wird sich auf Ergebnisse mit bloß sechs bis acht Fahrern unter den ersten Zehn abfinden müssen. Denn Hannes Trinkl (36), der Abfahrtsweltmeister von St. Anton 2001 hat seine Karriere als Skirennfahrer beendet. Der naturburschenhafte Sportler - 1,85 m, 90 kg, über seine Körperkräfte kursieren Legenden - besaß immer die Sympathien des Publikums, sechsmal bedankte er sich mit einem Weltcupsieg, fünf davon fanden in der Abfahrt, einer im Super-G statt. Trinkl ist einer der letzten ÖSV-Vertreter einer Generation von Spezialisten, den Super-G beherrschte der Abfahrer zwar auch, aber der Abstand zum RTL war praktisch immer unüberwindlich. Seine Liebe galt der Geschwindigkeit und dem Adrenalinschock an Stellen wie der Mausefalle (Streif in Kitzbühel) oder dem Canadian Corner (Lauberhorn in Wengen).

Die Carvingrevolution bedingte bei den Abfahrtsskiern nur vergleichsweise geringe Materialänderungen, das half Trinkl und anderen Spezialisten zu einer Verlängerung der Karriere. Trinkls zweiter Höhepunkt neben dem WM-Titel in der Abfahrt war der dritte Platz in der Olympia-Abfahrt von Nagano 1998. In der abgelaufenen Saison erreichte er je einen fünften Platz in Chamonix und Garmisch-Partenkirchen, das war's.

In der heurigen Kadereinteilung gehörte er nicht mehr der Nationalmannschaft, sondern der zweitbesten Gruppe, dem A-Kader, an. Außerdem hätte eine Knieoperation eine längere Pause bedingt.

Der Bauernsohn Hannes Trinkl ist mit Edith verheiratet, das Paar hat drei Kinder. Trinkl: "Mein Sohn hat gesagt, ich darf nicht aufhören, denn ich habe ja in Kitzbühel noch nicht gewonnen." Der Vater wird sich künftig mit einer Rallyesport-Firma (mit Mundl Baumschlager) beschäftigen. Josef Strobl (30, strebt einen Nationenwechsel an), Christian Greber (32), Peter Rzehak (34) und Heinz Schilchegger (30) haben im heurigen Sommer bereits den ÖSV verlassen. Und wenn es ganz dick kommt, hört auch noch der Weltcup-Zweite des vergangenen Wettkampfjahres, Stephan Eberharter, auf. (red - DER STANDARD PRINTAUSGABE 10./11. 2004)

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