SAP bleibt nach dem zweiten Quartal in der Spur

16. Juli 2004, 10:32
posten

Software-Lizenzgeschäft wächst weiter - Ziele für 2004 bestätigt

Mit einem weiter wachsenden Software-Lizenzgeschäft hat Europas größter Softwarehersteller SAP im zweiten Quartal alle Befürchtungen über einen Einbruch des Marktes zerstreut. Der Marktführer bleibt auf dem besten Weg, seine Ziele für 2004 zu erreichen.

Wichtiger Indikator

Der Umsatz mit Softwarelizenzen - der wichtigste Indikator für die künftige Ertragslage - habe nach vorläufigen Zahlen bei rund 495 Millionen Euro gelegen und damit 15 Prozent über dem Vorjahreswert, teilte SAP am Freitag in Walldorf mit. Die von Reuters befragten Analysten hatten im Durchschnitt nur mit einem Lizenzumsatz von 484 Millionen Euro gerechnet. SAP reagierte mit der überraschenden Veröffentlichung auf die jüngsten Warnungen der Konkurrenten Siebel und PeopleSoft, die die Erwartungen weit verfehlt hatten. Die SAP-Aktie erholte sich von den Verlusten der vergangenen Tage und schloss 3,4 Prozent fester bei 128,75 Euro.

Im Rahmen

Mit einem um Kosten für Akquisitionen und aktienorientierte Mitarbeiter-Vergütungsprogramme bereinigten operativen Ergebnis von 420 und 430 Millionen Euro liegt SAP offenbar im Rahmen der Analystenprognosen. Die Branchenexperten hatten den wichtigsten Ergebnismaßstab von SAP im Durchschnitt auf 426 Millionen Euro geschätzt. Ein Jahr zuvor waren es 388 Mio. Euro. Der nicht bereinigte Betriebsgewinn lag im Zeitraum von April bis Juni bei 380 bis 390 Mio. Euro. Der Gesamtumsatz wuchs im zweiten Quartal auf rund 1,78 (2003: 1,56) Mrd. Euro, neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch damit übertraf SAP die Prognosen. In den ersten sechs Monaten hat SAP damit 3,34 (3,16) Mrd. Euro umgesetzt.

Fantasien

Der Zuwachs der Lizenzumsätze um gut zehn Prozent im ersten Halbjahr dürfte Fantasien wecken, dass SAP die Umsatzerwartungen für 2004 nach oben schrauben könnte. Bisher hat Vorstandschef Henning Kagermann ein Wachstum des Lizenzgeschäftes um zehn Prozent in Aussicht gestellt, ohne Währungseffekte sogar um 15 Prozent. Dabei soll die Erholung des Softwaremarktes in Europa nach Kagermanns Prognosen erst in der zweiten Hälfte des Jahres einsetzen.

Verunsicherung der Kunden

SAP entwickelte sich im zweiten Quartal weitaus besser als seine US-Konkurrenten PeopleSoft und Siebel, die vor allem von ihrem Heimatmarkt abhängig sind. Analysten sehen das als Beleg dafür, dass das Nordamerika-Geschäft von SAP weiter floriert und der Konzern dort seine führende Stellung weiter ausgebaut hat. SAP profitiert dabei auch von der Verunsicherung der Kunden über den Ausgang des laufenden Kartellverfahrens um die Übernahme von PeopleSoft durch Oracle. "Kein Zweifel, die Zahlen sind supergut, vor allem im Vergleich zu den anderen", sagte Analyst Torsten Schellscheidt von der WestLB. Der Erfolg von SAP deute darauf hin, dass die Einbußen der Konkurrenten jedenfalls nicht auf eine allgemeine Marktschwäche zurückzuführen seien. Siebel und PeopleSoft hatten am Mittwoch eingeräumt, die Erwartungen im zweiten Quartal weit verfehlt zu haben.

Erleichtert

Frankfurter Börsenhändler zeigten sich nach dem negativen Nachrichtenfluss aus den USA erleichtert über die SAP-Zahlen. Die Aktie hatte unter diesem Einfluss innerhalb von drei Tagen acht Prozent an Wert verloren. "Der Kurssprung zeigt, dass nach den schlechten Nachrichten von PeopleSoft und Co viel Angst vor einer negativen Überraschung bei SAP eingepreist war", erklärte Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Nun könne die Aktie in den nächsten ein bis zwei Wochen deutlich über 130 Euro steigen.

Bei Siebel, dem SAP zuletzt den Rang als größter Anbieter von Vertriebs- und Kundenbindungssoftware (CRM) abgelaufen hat, hatten die Einnahmen aus Softwarelizenzen im zweiten Quartal bei gerade 95 Millionen Dollar gelegen. Analysten waren dagegen von rund 130 Millionen Dollar ausgegangen. Als Grund für die mageren Einnahmen gab Siebel an, dass zahlreiche Kunden ihre Kaufentscheidung über das Quartalsende hinaus geschoben hätten.(APA/Reuters)

Link

SAP

Share if you care.