Sozialer Architekt im Widerstand

15. Juli 2004, 20:00
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Zeit- und architekturhistorische Aufarbeitung zum Leben Herbert Eichholzers

Graz – "Totes Leben gibt es nicht", schrieb einst der Grazer Architekt Herbert Eichholzer, ein konsequenter Vertreter der Moderne der Zwischenkriegszeit, in Bezug auf lebendige Tradition im Bauen. Eine Monografie, die das Zitat als Titel führt, und eine Ausstellung an der Grazer TU arbeiten das Leben des sozialdemokratischen Kosmopoliten, der auch in seiner politischen Haltung stets konsequent blieb, auf. 1943 wurde Eichholzer von den Nazis erst vierzigjährig enthauptet.

In Graz sind nur wenige seiner Bauten im Originalzustand erhalten geblieben. Neben einigen Einfamilienhäusern oder einem Arbeiterwohnhaus im steirischen Judenburg gehört auch die Operngarage in Graz, die 1933 in der Tagespost als "Hotel für Autos" begrüßt wurde, zum Erbe Eichholzers, der auch in Paris und Ankara arbeitete.

Das Buch und die Schau sind die Ergebnisse der interdisziplinären Forschungen von Kunsthistorikerin Antje de Grancy, Zeithistoriker Heimo Halbrainer und Architekt Günter Koberg. Ergänzend dazu publizierte Halbrainer im Verlag des Geschichtsvereins Clio den Band "Abessinische Reise 1925/26": Eine Dokumentation der Reisen Eichholzers ins heutige Äthiopien.

In seiner urbanen Architektur der einfachen, klaren Formen sind deutlich die Einflüsse von Ludwig Mies van der Rohe, Josef Frank und nicht zuletzt von Le Corbusier, in dessen Atelier Eichholzer von 1928 bis 1929 arbeitete, abzulesen. Zudem schuf er funktionelle Möbel und die Holzspielzeugserie "Klump", die die kindliche Fantasie unterstützen sollte.

Das politische Engagement begann während des Studiums in Graz. Im Februar 1934 kämpfte Eichholzer im Republikanischen Schutzbund und musste in der Folge fliehen. 1940 kehrte Eichholzer mit Margarete Schütte- Lihotzky nach Österreich zurück, um im Auftrag der KPÖ im Widerstand gegen die Nazis zu kämpfen. (cms/DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.7.2004)

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    "Totes Leben gibt es nicht". Hg. von der TU Graz. Springer Verlag, 230 Seiten, 25 Euro.

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    Das "Haus Lind", das Eichholzer 1936 in Graz als Einfamilienhaus baute, ist eines der wenigen im Originalzustand erhaltenen Gebäude des Architekten.

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