Ryanair wird zum Gepäcklosen-Flieger

18. Juli 2004, 18:10
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Irische Billig-Airline will aus Kostengründen "mittelfristig" nur noch Passagiere mit Handgepäck befördern

London - Die irische Fluggesellschaft Ryanair will auf mittlere Sicht keine Passagiere mit größerem Gepäck mehr transportieren. Nach britischen Medienberichten vom Freitag sollen aus Kostengründen letztlich nur noch Fluggäste mit Handgepäck, das nicht eigens eingecheckt werden muss, die Maschinen besteigen dürfen. "Wenn Sie mehr mitnehmen wollen, dann fliegen Sie doch mit den teureren Fluggesellschaften. Aber Sie sparen bei Ryanair so viel, dass sie sich den Föhn bei der Ankunft kaufen können", pries Ryanair-Chef Michael O'Leary laut BBC seine Zukunftspläne.

75 Euro für ein aufgegebenes Gepäckstück

In einem ersten Schritt ziehe die Billigairline in Betracht, Passagieren zukünftig pro aufgegebenes Gepäckstück umgerechnet 75 Euro abzuknöpfen, berichtete der "Daily Telegraph". Schon jetzt würden etwa 50 Prozent ihrer Fluggäste nur mit Handgepäck und einer durchschnittlichen Dauer von gut zwei Tagen reisen, und dieser Anteil nehme zu. Durch den Wegfall der Gepäckaufgabe am Flughafenschalter inklusive Sicherheitschecks könnte die Fluggesellschaft letztlich ein Drittel ihrer Flughafenkosten einsparen, hieß es weiter.

Keine Kopfstützen und Stehplätze

Die Bemühungen, an den Kosten weiter zu sparen, haben sich nach den Angaben bei Ryanair und seinen Rivalen in den vergangenen Monaten verschärft. O'Leary warnte erst kürzlich vor einem "Blutbad" im Niedrigpreissektor im kommenden Winter angesichts wachsender Überkapazitäten. Zu den bisherigen Vorschlägen zur Kostensenkung gehörte der Kauf von Flugzeugen ohne Abdunkelungsvorrichtungen für die Fenster sowie ohne verstellbare Sitze oder Kopfstützen.

Erst vor wenigen Wochen ließ O'Leary außerdem mit der Idee aufhorchen, im Flugzeuge Sitzplätze durch Stehplätze zu ersetzen. In einem Interview mit dem "Spiegel" meinte der Ryanair-Chef: "Leute fahren in Zügen bei 190 Stundenkilometern, stehen auf dem Gang oder sitzen auf Koffern. In Zügen sterben viel mehr Menschen als in Flugzeugen. Leute fahren Bus und stehen dabei." (APA/dpa/red)

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