... und ewig schreit es "Jedermann!"

8. September 2004, 13:55
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Ausstellung "Von Moissi bis Simonischek" widmet sich der Geschichte des Stücks

Salzburg - Ab 10. Juli zeigt das Salzburger Museum Carolino Augusteum (SMCA) die Ausstellung "Von Moissi bis Simonischek". Darin ist nicht nur die Geschichte des Salzburger Dauerstückes seit 1920 chronologisch dargestellt. Im Zentrum dieser Schau stehen die insgesamt 15 Hauptdarsteller, von Alexander Moissi, dem ersten Salzburger Jedermann, über Attila Hörbiger, Will Quadflieg, Walther Reyer - er hält den Rekord mit elf Sommern - Curd Jürgens, Maximilian Schell, Klaus Maria Brandauer, Helmut Lohner, Gert Voss bis zum aktuellen Jedermann, Peter Simonischek.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Gisela Prossnitz, Leiterin des Archivs der Salzburger Festspiele. Aus diesem Archiv stammen die wesentlichen Exponate wie Kostüme, Original-Plakate, Entwürfe und Skizzen zu Bühnenbildern, Pressestimmen und Kritiken zu den jeweiligen Premieren, Buhlschaften und "Jedermännern" sowie - als wertvollstes Stück der Ausstellung - das Jedermann-Notizbuch von Festspielgründer und erstem Jedermann-Regisseur, Max Reinhardt. Auch der gesellschaftliche Aspekte des heuer in Salzburg sage und schreibe vier Mal überbuchten Jedermann ist in einer "Yellow-Press-Ecke" beleuchtet.

"Vorführen der größtmöglichen menschlichen Katastrophe"

"Es ist nicht leicht, im Sommer neben den Festspielen mit unserem Museum zu bestehen", sagte Direktor Erich Marx vom SMCA: "Diese Ausstellung wird die Verbindung schaffen. Geplant sind derartige Kooperationen auch für die Zukunft. Nach der Mozart-Ausstellung im Jahr 2006 wird das SMCA jeden Sommer eine Festspiel-Ausstellung gestalten, die Themen weiß ich allerdings noch nicht."

Peter Simonischek sagte bei der Presse-Vernissage, "es ist das Vorführen der größtmöglichen menschlichen Katastrophe, die das Publikum seit dem Jahr 1920 in seinen Bann zieht. Dies macht die Leute zu einer Schicksals-Gemeinschaft. Zudem ist das Stück dramaturgisch klug und raffiniert gebaut, Modernisierungen der Sprache dürfen nur behutsam vorgenommen werden." Tatsächlich sind viele Versuche, den Jedermann radikal zu erneuern oder neu zu schreiben, gescheitert. Selbst literarische Größen wie Bert Brecht, Carl Zuckmayer, Botho Strauss, Hans Magnus Enzenberger, oder Peter Handke haben derartige Pläne gewälzt und wieder aufgegeben. Prossnitz sagte, die Festspiele hätten heuer 8.000 Karten zusätzliche für die Jedermann-Vorstellungen verkaufen können. "1.000 Jedermann-Fans haben sich auf eine Warteliste schreiben lassen, die Chancen, an eine Karte zu kommen, sind miserabel."

Ergänzendes Stück

"Der Tod im Apfelbaum" heißt eine Theaterproduktion des Vereins der "Jungen Freunde der Salzburger Festspiele", die vom SMCA mitfinanziert wurde und die Ausstellung ergänzen soll. Es ist dies eine Bearbeitung des Jedermanntextes durch den Festspielschauspieler Roland Renner. Der "echte" Jedermann, Simonischek, hat dem Stück als Tod seine Stimme geliehen, und seine Söhne sind als Schauspieler mit von der Partie. Premiere ist morgen Samstag, im Hof des Salzburger Bürgerspitals, bis zum ersten Oktober wird das Stück zehn Mal aufgeführt. (APA)

Detailinformationen zur Ausstellung und der Jedermann-Aufführung der "Jungen Freunde" unter 0662 / 62 08 08 oder auf der SMCA-Webseite
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    Einer der Jedermänner: Attila Hörbiger (1947)

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