Raiffeisen-Gruppe behauptet Spitzenstellung

18. Juli 2004, 18:34
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Wachstum und Ergebnisentwicklung 2003 über Branchendurchschnitt - Marktanteile bei Gesamteinlagen und Direktkrediten stiegen leicht - Kritik an "Überregulierungen" im Bankenbereich

Wien - Die österreichische Raiffeisen Bankengruppe (RBG) blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2003 zurück. In mehreren Geschäftsbereichen wurde die Spitzenstellung behauptet oder ausgebaut. Wachstum und Ergebnisentwicklung lagen über dem österreichischen Bankentrend.

Das Betriebsergebnis der RBG verbesserte sich um 17,2 Prozent auf 1,44 Mrd. Euro, während die heimische Bankenbranche im Durchschnitt "nur" um 4,5 Prozent mehr Gewinn erzielte. Die wirtschaftlichen Erfolge sowie hohe Sympathiewerte der Gruppe "spiegeln die Verbundenheit mit unseren Kunden und die tiefe Verwurzelung im österreichischen Markt wider", sagte RBG-Generaldirektor Walter Rothensteiner heute, Freitag, vor Journalisten im Wiener Klub der Wirtschaftspublizisten.

Zuwächse

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT), das auch die Risikovorsorgen in Höhe von 539 Mio. Euro berücksichtigt, kletterte in der Gruppe um 27,6 Prozent auf 819 Mio. Euro. Der Return on Equity (RoE) vor Steuern lag 2003 bei 11,0 (2002: 11,5) Prozent und liegt damit ebenfalls deutlich über dem Österreich-Durchschnitt von 7,2 (5,3) Prozent.

Die konsolidierte Bilanzsumme in der Raiffeisen Bankengruppe wuchs per Ultimo 2003 im Jahresvergleich um 12,7 Prozent auf 128,8 Mrd. Euro, während sämtliche österreichische Banken laut Statistik der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) um 5,5 Prozent wuchsen. Die aggregierte Bilanzsumme stieg um 12,4 Prozent auf 168,3 Mrd. Euro. Die anrechenbaren Eigenmittel wuchsen um 10,1 Prozent auf 9,3 Mrd. Euro, womit sich eine Eigenmittelüberdeckung von 34,9 Prozent ergibt. Die Eigenmittelquote hat sich von 10,2 Prozent auf 10,8 Prozent verbessert, die Kernkapitalquote beträgt 7,5 (7,4) Prozent.

26,5 Prozent der Gesamteinlagen

Zum Jahresende 2003 konnte der Raiffeisen Bankensektor 26,5 Prozent der österreichischen Gesamteinlagen für sich verbuchen, das ist um einen Prozentpunkt mehr als im Jahr davor. Bei den Direktkrediten stieg der Marktanteil geringfügig von 22,1 auf 22,3 Prozent. Dahinter folgen jeweils die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) bzw. die Sparkassen.

Auch bei den Sympathiewerten liegt Raiffeisen laut einer im Jahresbericht 2003 des Finanzmarktdatenservice veröffentlichten Umfrage vorne: Demnach finden 37 Prozent aller Österreicher Raiffeisen "besonders sympathisch".

Fünffacher Marktführer

Die fünf größten Raiffeisen-Spezialgesellschaften im Finanzdienstleistungsbereich seien Marktführer in ihren Segmenten: Die Raiffeisen Kapitalanlagegesellschaft (KAG) behauptete ihren Marktanteil von 21 Prozent mit einem verwalteten Fondsvolumen von 20,8 Mrd. Euro. Die Raiffeisen Bausparkasse liegt mit mehr als 300.000 Neuabschlüssen ebenfalls in Führung. Bei Lebensversicherungen (ohne Einmalertrag) hat die Raiffeisen Versicherung die Nase vorn, während die Leasinggesellschaft der Gruppe mit 14 Prozent den größten Anteil im Inlandsneugeschäft ausweisen kann.

Die auf das Wertpapiergeschäft spezialisierte Raiffeisen Centrobank (RCB) ist mit 25 Prozent Marktanteil Nummer 1 im Handel an der Wiener Börse. Jede dritte Kreditkarte wurde von Raiffeisen ausgegeben. Auch 42 Prozent Anteil am Internet-Banking stellen einen Spitzenwert dar.

Nicht zuletzt sei die RBG mit knapp 25.000 Mitarbeitern "summa summarum der größte private Arbeitgeber des Landes", so Rothensteiner. Allerdings verteilten sich diese auf rund 700 Bilanzen.

Kritik an "Überregulierungen"

RZB-Chef Rothensteiner, Chef der Bundeskreditsparte in der Wirtschaftskammer, sieht weiters "mit Ärgernis eine gewisse Überregulierung" im Bankenbereich. Insbesondere im Umgang mit EU-Regelwerken tendiere der heimische Gesetzgeber zu übertriebener Härte. Möglicherweise handle es sich um ein Mentalitätsproblem, denn "der Österreicher neigt mehr zu vorauseilendem Gehorsam als etwa der Franzose", sagte der RZB-Chef.

Konkret bemäkelt der RZB-Chef auch die Finanzmarktaufsicht (FMA) mit ihren Empfehlungen zur Begrenzung des Kreditrisikos, die derzeit in der Begutachtung sind. Dafür gebe es keine EU-Grundlage, sondern "das ist den Herren allein eingefallen, nach deutschem Muster". "Im Interesse der Bankkunden brauchen wir das nicht", österreichische Banken hätten ihre Geschäfte auf Basis des Bankwesengesetzes (BWG) bisher anstandslos geführt.

Kostenfaktor Bürokratie

Bürokratie und Meldepflichten seien nicht nur ärgerlich, sondern zunehmend auch ein Kostenfaktor. Alleine die Vorbereitungen auf das unvermeidliche "Basel-II-Monster" - die neuen Eigenkapitalrichtlinien für Banken - koste die Raiffeisen Bankengruppe (RBG) einschließlich ihrer Osttöchter heuer rund 7 Mio. Euro, so Rothensteiner. Dabei handle es sich um ein "Gesetz, das es noch gar nicht gibt, also um ein 'moving target'", das bei einer allfälligen Änderung noch weitere Kosten bedeuten würde.

Ein weiteres Ärgernis ist für Rothensteiner das Meldewesen, etwa bei der Umsetzung der Finanzkonglomerats-Richtlinie in österreichisches Recht. Während die EU eine Meldung einmal jährlich vorsieht, wurde in Österreich eine vierteljährlich verpflichtende Meldung vorgeschrieben. Durch den erhöhten Prüfungsaufwand würden auch die Kosten steigen, die letztlich wieder der Kunde zu bezahlen habe.

Zu aktuellen Dienstrechts-Verhandlungen und Kostensenkungsdebatten meinte Rothensteiner, die Margendiskussion sei wichtiger als die Kostenseite. "Ich glaube nicht, dass man mit Einsparungen allein dramatisch mehr verdienen kann". Am besten sei es, bei steigenden Einnahmen die Kosten stabil zu halten. Synergiemöglichkeiten etwa durch ein gemeinsames Clearinghaus für österreichische Banken möchte Rothensteiner nicht überbewerten: "Wir sehen die Rieseneinsparungen des Systems nicht". Das Clearinghaus mache rund 10 Prozent im Überweisungsverkehr aus. (APA/red)

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