US-Kabelfernsehbosse John und Timothy Rigas schuldig

14. Juli 2004, 14:33
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Unternehmer sollen Adelphia geplündert haben, um ihren aufwendigen Lebensstil zu finanzieren

Eine Jury in New York hat am Donnerstag den prominenten amerikanischen Kabelfernsehunternehmer John Rigas (79) und seinen Sohn Timothy (48) der Verschwörung sowie des Wertpapier- und des Bankbetrugs für schuldig befunden. John Rigas ist der Gründer der fünftgrößten Kabelfernseh-Betreibers Adelphia Communications Corporation und war Unternehmenschef. Timothy Rigas war Finanzchef von Adelphia. Ihnen drohen bis zu 30 Jahren Gefängnis.

Die Unternehmer wurden für schuldig befunden, insgesamt 2,3 Mrd. Dollar (1,86 Mrd. Euro) an Adelphia-Geldern für eigene Zwecke verwendet und die Banken, Kreditgeber und Investoren über die wahre Lage des Unternehmens belogen haben. Sie sollen Adelphia geplündert haben, um ihren aufwendigen Lebensstil zu finanzieren.

Großes Aufsehen

Der Fall hat wegen der enormen Summe an Firmengeldern und Kreditgarantien, die die Rigas-Familie für sich selbst verwendete, für großes Aufsehen gesorgt. Die Vorgänge um Adelphia zählen neben Enron, WorldCom und Tyco International zu den größten Unternehmensskandalen der US-Wirtschaftsgeschichte.

Familienunternehmen

Das einstige Familienunternehmen war von John Rigas vor fünf Jahrzehnten gegründet worden und ist seit rund zwei Jahrzehnten eine Aktiengesellschaft. Die Gesellschaft, die über Kabelfernsehsysteme von Pennsylvania bis Kalifornien verfügt und rund 5,4 Millionen Kunden hat, befindet sich seit Juni 2002 in einem Insolvenzverfahren.

Michael Rigas (50), ein weiterer mitangeklagter Sohn von John Rigas, wurde in Sachen Verschwörung und einem Betrugspunkt für nicht schuldig befunden. Die Geschworenen konnten sich im Hinblick auf die Wertpapier- und Bankbetrugs-Vorwürfe gegen ihn nicht einigen. Die Jury wollte am Freitag im Hinblick auf diese Klagepunkte gegen Michael Rigas ihre Beratungen fortsetzen. Michael Mulcahey, ein früherer Mitarbeiter der Adelphia-Bilanzabteilung, wurde in allen Punkten für nicht schuldig befunden. Das Verfahren hatte mehrere Monate gedauert. Die Jury hatte acht Tage lang beraten. (APA/dpa)

Comcast und Time Warner interessiert

Das Unternehmen, dessen Wert von Analysten auf 17 bis 21 Mrd. Dollar geschätzt wird, könnte möglicherweise versteigert werden, berichtete das "Wall Street Journal" am Freitag in seiner Onlineausgabe. Nach Darstellung der Zeitung sind die Kabelfernsehriesen Comcast und die Kabelfernsehsparte von Time Warner interessiert.

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