Italiener nächste Woche zu "Handystreik" aufgerufen

16. Juli 2004, 09:23
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Zwei Stunden lang sollen Mobilfunktelefone gegen hohe Tarifen "schweigen"

Der Konsumentenschutzverband Codacons hat die Italiener aufgerufen, sich am kommenden Donnerstag (15. Juli) an einem "Handystreik" zu beteiligen. Zwei Stunden lang sollen die 57 Millionen Mobilfunktelefone im Land aus Protest gegen die hohen Tarife ausgeschaltet bleiben. Mit dem Streik will der Konsumentenschutzverband nicht nur gegen die Mobilfunkgesellschaften, sondern auch gegen die italienische Telekommunikationsbehörde protestieren, die seiner Ansicht nach für keine echte Liberalisierung im Land gesorgt habe.

Nicht alles gefallen lassen

"Mit unserem Streik wollen wir den Telefongesellschaften klar machen, dass sich die Kunden nicht alles gefallen lassen. Aus ganz Italien haben wir Solidaritätsbriefe für unsere Protestaktion erhalten", so Codacons-Präsident Carlo Renzi. Die Italiener geben laut Renzi täglich fünf Euro für ihr Mobilfunktelefon aus. Der Streik würde den Mobilfunkbetreibern Verluste im Wert von 500 Mio. Euro bescheren, wenn sich alle Handybesitzer dem Protest anschließen würden.

Schlaraffenland

Italien ist ein Schlaraffenland für Telekom-Gesellschaften. Mit einer hundertprozentigen Handyauslastung ist der Stiefelstaat das Land mit der höchsten Zahl an Handys, ergab eine Studie des Instituts European Mobile Arena. In Italien erreichten die Mobilfunklinien ein Rekordhoch von 57 Millionen. Diese Summe entspricht der Zahl der Italiener.

"Telefonino"

Laut Schätzungen von Experten haben 41 Millionen Italiener ein Handy. Viele besitzen sogar zwei oder drei Mobilfunktelefone. Die Italiener begeistern sich vor allem für die jüngsten Handy-Modelle, die auf dem Markt erscheinen. Jedes Mobiltelefon wird maximal 12 bis 18 Monate gebraucht, dann wird es ersetzt.

Das "Telefonino" ist ein wahres Statussymbol. Möglichst klein und handlich soll es sein, gleichzeitig aber allen technologischen Schnickschnack haben. Die Italiener sind auch die gesprächigsten Handybesitzer. Gemessen am Umsatz gibt jeder Mobilfunkkunde in Italien monatlich 30 Euro im Monat aus. In anderen europäischen Ländern hält sich das Handy-Fieber in Schranken. In Frankreich beträgt der Durchdringungsgrad der Mobilfunktelefone 68 Prozent, in Belgien 77 Prozent, in Deutschland 79 Prozent und in Österreich bei 90,7 Prozent. (APA)

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