Ärztemangel: Großbritannien lockt Mediziner

11. Juli 2004, 19:02
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Immer mehr Ärzte fliegen für lukrative Wochenendjobs auf die "Insel"

Wien - Großbritannien leidet, wie viele europäische Staaten an einer akuten Ärztenot und nützt die europäische Markt-Freizügigkeit auf ganz besondere Weise. Immer mehr Jungärzte werden vor allem für Wochenenddienste und Sonderschichten ins Land gelockt, mit teilweise lukrativen Angeboten. Mittlerweile haben sich eigene Agenturen gebildet, die den Notstand für gute Geschäfte nützen. Spezielle Medical Transfer Services (MTS) haben sich auf deutsche und auch osteuropäische Ärzte spezialisiert: Vermittelt werden Mediziner für kurzfristige aber auch längere Einheiten und die Agentur erledigt den lästigen Papierkram.

Finanzieller Preiskampf um Ärzte

Kritiker sehen einen künftigen finanziellen Preiskampf im Werben um deutsche Ärzte und machen die vehemente Kostendämpfungspolitik in Deutschland der vergangenen 25 Jahre verantwortlich: "Ein Drittel der Praxen steht heute am Rande des wirtschaftlichen Überlebens", verdeutlicht Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe das Medizinerproblem. Bis 2010 sei mit dem Ausscheiden von knapp 22.000 Hausärzten zu rechnen. Die Zahl der Medizinabsolventen sei in den vergangenen Jahren um 23 Prozent gesunken, die Zahl der Ärzte im Praktikum um ein Viertel.

Arzt als Pendler

Prognosen sehen für die Zukunft nicht nur den wandernden Patienten sondern auch den Arzt als Pendler. Seit 1993 gibt es in der EU für Ärzte die automatische Anerkennung der Diplome nach Absolvierung bestimmter Mindest-Ausbildungszeiten. Mediziner können sich auch in anderen EU-Mitgliedsstaaten als ihrem Herkunftsland niederzulassen. Der österreichische Ärztekammerpräsident, Dr. Reiner Brettenthaler sieht für Österreich keinen baldigen Notstand: "Für uns wird die europäische Regelung kaum Auswirkungen haben, weil es in fast allen europäischen Ländern - nicht aber in Österreich - einen Ärztemangel gibt."

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