Schlumberger forciert neue EU-Länder

18. Juli 2004, 18:14
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Mit passenden Vertriebspartnern sei in Osteuropa "wahnsinnig viel zu holen", glaubt Vorstandschef Lacher - Zwei Prozent Bonus-Dividende geplant

Wien - Der börsenotierte Sekt- und Spirituosenhersteller Schlumberger ist in den neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsländern auf intensiver Suche nach passenden Vertriebspartnern. "Für Schlumberger ist in Osteuropa noch wahnsinnig viel zu holen", zeigte sich Vorstandsvorsitzender Gerhard Lacher am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz in Wien überzeugt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/04 (per Ende März) konnten Umsatz und Ergebnis gesteigert werden. Zusätzlich zur unveränderten Dividende von acht Prozent soll ein Bonus von zwei Prozent zur Ausschüttung kommen.

Auch Übersee-Aktivitäten werden forciert

Seit vorigem Jahr werde bei der Internationalisierung "etwas mehr auf die Tube gedrückt", sagte Lacher. In erster Linie will sich die Getränkegruppe neben Österreich auf die neuen EU-Länder Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien sowie auf Kroatien und Deutschland konzentrieren. Aber auch Kanada, die USA, Australien und Hongkong sollen weiter bearbeitet werden. Bisher hätten die Umsätze in Osteuropa - außer mit einem Anteil von unter zehn Prozent im Sektbereich - keine Rolle in der Schlumberger-Gruppe gespielt, so Lacher. In zwei bis drei Jahren will er in jedem dieser Länder einen passenden Vertriebspartner gefunden haben. An die Gründung eigener Tochtergesellschaften ist vorerst nicht gedacht.

Für die verstärkte Internationalisierung stehe "genügend" Geld zur Verfügung. Man werde sich aber nicht unter Zeit- oder Mengendruck setzen. Wichtig sei es, die richtigen Vertriebspartner mit Zugang zur Gastronomie zu finden. Derzeit seien Polen und Tschechien die wichtigsten zu bearbeitenden Märkte.

Positive Entwicklung

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/04 konnte Schlumberger "in allen Kennzahlen" eine positive Entwicklung nehmen. Die Gruppe konnte "trotz schwieriger Marktlage" die Umsatzerlöse auf 150,7 (Vorjahresperiode: 144,1) Mio. Euro erhöhen. Bereinigt um Einmalerlöse in Deutschland ein Zuwachs von 1,1 Prozent, der ausschließlich in Österreich erwirtschaftet wurde. Durch eingeleitete Umstrukturierungen verbesserte sich das Betriebsergebnis auf 2,59 (1,69) Mio. Euro, das Jahresergebnis stieg auf 3,68 (2,70) Mio. Euro. Schlumberger weist einen Bilanzgewinn von 4,0 (1,3) Mio. Euro aus. Das Ergebnis je Aktie erhöhte sich auf 16,36 (12,01) Euro. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um eine Person auf 241 Beschäftigte.

Bonus-Dividende

Zusätzlich zur unveränderten Dividende von acht Prozent wird der Vorstand der Hauptversammlung am 7. September die Ausschüttung eines Bonus von zwei Prozent vorschlagen, das entspricht 7,26 Euro nach 5,81 Euro je Aktie. Das entspricht einer Dividendenrendite von 6,6 bzw. 6,42 Prozent je Vorzugs- bzw. Stammaktie. Insgesamt befinden sich 49 Prozent der Aktien in Streubesitz.

Verhaltener Ausblick

Für das laufende Geschäftsjahr 2004/05 rechnet man bei Schlumberger mit keinem kräftigen Wachstum. "Für uns ist der private Konsum wichtig", sagte Lacher. Dieser werde aber so lange nicht anspringen, als es so hohe Arbeitslosenraten wie derzeit gebe. "Die Prognosen für die nächsten ein bis zwei Jahre zeigen keine wesentliche Verbesserung", sagte Lacher.

Lacher kritisierte generell die "Fantasieprognosen" der Wirtschaftsforscher, die - einmal veröffentlicht - vierteljährlich nach unten revidiert werden müssten, sowie die derzeitige Preispolitik. Auch die Diskussion um eine Verlängerung der Arbeitszeit sei nicht seriös. Volkwirtschaftlich nicht sinnvoll sei es, wenn die Preise - erkauft durch Rationalisierungen und steigende Arbeitslosigkeit - immer weiter nach unten gehen. "Wer kann da unsere Produkte noch kaufen?", so Lacher. Völlig "pervers" sei es, wenn Kunden noch Geld dazu bekommen würden. In der Folge würden die Menschen den Bezug zur Realität und zu Wertvorstellungen verlieren, befürchtet Lacher.

Neue Software, Umstrukturierungen

Intern arbeitet Schlumberger an weiteren Umstrukturierungen, so auch des EDV-Systems. Durch die Einführung einer neuen Software ab 2005/06 sollen zusätzliche Kapazitäten für den Markt frei gemacht werden.

Unter den Beteiligungsgesellschaften konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/04 die Schlumberger Wein- und Sektkellerei GmbH den Umsatz um 1,6 Prozent auf 50,2 Mio. Euro leicht verbessern. Die Gesellschaft wurde per Jahresende 2003 von einer AG in eine GmbH umgewandelt und ist für die Sekt- und Weinproduktion sowie die Vertriebstätigkeit im Sekt-, Wein- und Spirituosenbereich verantwortlich, wie auch für Bier und alkoholfreie Getränke anderer Erzeuger.

Die Vorarlberger Wilhelm Hämmerle, Destillerie-Freihof GmbH & Co KG - sie produziert Obstbrände - konnte den Umsatz auf Vorjahresniveau halten. Die Appelt GmbH & Co KG, Importeur und Vertreiber von Food- und Non-Food-Produkten, übernahm 2003 den Vertrieb von Ovomaltine und Isostar sowie Reisfit und Pulmoll. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 41,4 Mio. Euro. Die Deutschlandtochter von Schlumberger und das in ihrem Mehrheitsbesitz befindliche Weinimporthaus Segnitz in Bremen wurden per 1. April 2004 in den Bereichen Logistik, EDV und Finanzen zusammengeführt und die Dachgesellschaft Segnitz-Schlumberger Weinhandels GmbH & Co KG gegründet. Die ungarische Zwack Unicum Rt, eine at equity-Beteiligung, verzeichnete leichte Umsatz- und Ertragsrückgänge auf 109,7 Mio. Euro bzw. 8,7 Mio. Euro. Ungarn werde ebenfalls einen Umstrukturierungsprozess durchmachen müssen, meinte Lacher. (APA)

  • In erster Linie will sich die Getränkegruppe auf Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien sowie auf Kroatien und Deutschland konzentrieren.
    schlumberger.at

    In erster Linie will sich die Getränkegruppe auf Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien sowie auf Kroatien und Deutschland konzentrieren.

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