Commerzbank-Chef appelliert an Moskau

20. Juli 2004, 10:53
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Zerschlagung wäre "wirtschaftlich nicht vertretbare Maßnahme" – Schröder: "Innerrussische Angelegenheit"

Moskau/Berlin - Der Chef der deutschen Commerzbank, Klaus-Peter Müller, hat an die russische Regierung appelliert, den Ölkonzern Yukos nicht zu zerschlagen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte Müller, die Steuerschulden von Yukos in Milliardenhöhe müssten jedoch beglichen werden.

Darlehen fällig gestellt

Ein Konsortium mit Beteiligung der Commerzbank und der Deutschen Bank hatte Yukos ein Darlehen von einer Mrd. Dollar gewährt und stellt dieses nun fällig. Das Engagement der Commerzbank soll nach Angaben aus Bankenkreisen bei rund 80 Mio. Euro liegen. Müller bestätigte die Zahl nicht.

"Ich hoffe, dass es eine Lösung gibt, bei der es gelingt, Yukos zu erhalten und die Steuerschulden zu begleichen", sagte Müller auf der Rückreise von Moskau, wo er den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder neben anderen Wirtschaftsvertretern bei dessen Russland-Besuch am Donnerstag begleitet hatte. "Ich nehme von außen zur Kenntnis, dass das Unternehmen eine Steuerschuld hat. Wenn das so ist, steht es niemandem an zu kritisieren, dass die Steuerschuld eingetrieben wird. Aber das Unternehmen zu zerschlagen, scheint mir eine wirtschaftlich nicht vertretbare Maßnahmen zu sein", sagte Müller, der gleichzeitig betonte, dass die Commerzbank Schröder nicht gebeten habe, für sie aktiv zu werden.

Schröder lobt Putins Reformpolitik

Der deutsche Kanzler lobte bei seinem Zusammentreffen mit Putin dessen "entschlossene Reformpolitik". Die Situation von Yukos wollte er bei den Gesprächen nicht thematisieren. Bereits vor dem Treffen mit Putin hatte er bekräftigt, dass er die Situation des Ölkonzerns als eine innerrussische Angelegenheit sehe. Er sehe keine Anhaltspunkte, dass die russischen Behörden nicht mit rechtsstaatlichen Mitteln vorgingen. Die Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen in Russland hält Schröder nicht für gefährdet. (APA/AP/Reuters)

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