Das Franz-Joseph-Land könnte ein Nationalpark werden

10. Juli 2004, 10:00
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Der zu Russland zählende arktische Archipel ist historisch eng mit Österreich verbunden

Moskau - Der geschichtsträchtige arktische Archipel Franz-Joseph-Land, der völkerrechtlich zu Russland gehört, historisch allerdings eng mit Österreich verbunden ist, soll in drei bis vier Jahren den Status eines Nationalparks bekommen. Dies meldete das Online-Portal der russischen Tourismus-Behörde "Rata" unter Berufung auf den Archangelsker Umweltpolitiker Gennadij Danilow am Freitag.

Danilow machte die Realisierung des Projektes allerdings noch vom finanziellen Faktor abhängig: "Wir brauchen noch 1,5 Millionen Rubel (41.690 Euro), um das Projekt des Nationalparks vorzubereiten." Es wäre dies der erste Nationalpark im äußersten Norden Russlands. Er soll laut "Rata" den Namen "Russische Arktis" tragen.

Eindrucksvolle Flora und Fauna

Da Franz-Joseph-Land seit Jahrzehnten militärisches Sperrgebiet ist, konnten sich in diesem Gebiet eine eindrucksvolle arktische Flora und Fauna ansiedeln. Das russische Reise-Internet-Portal "http://www.travel.ru" berichtet etwa von bis zu 37 verschiedenen Vögelarten sowie zehn verschiedenen Säugetieren, die sich auf dem Archipel niedergelassen haben. An der Spitze der Nahrungsmittelkette stehen dabei die Eisbären. Die natürlichen Voraussetzungen für die Ausrufung zum Nationalpark sind demnach gegeben.

Geschichte

Für Österreich hat der Archipel historische Bedeutung: 1873 entdeckten die beiden k&k-Flottenoffiziere Julius Payer und Carl Weyprecht eine bisher unbekannte Inselgruppe im Nördlichen Eismeer und benannten sie zu Ehren des regierenden Kaisers der österreichisch-ungarischen Donau-Monarchie "Franz-Joseph-Land".

Geplante Gedächtnisexpedition

In den vergangenen Wochen kam die Inselgruppe im nördlichen Polarmeer wieder in die heimischen Schlagzeilen, da sich ein österreichisch-russisches Expeditionsteam unter der Leitung des Tirolers Christoph Höbenreich anschickte, sich im nächsten Frühjahr auf die Spuren der beiden Pioniere aus dem 19. Jahrhundert zu begeben. Die "Payer-Weyprecht-Gedächtnisexpedition" will die Originalroute aus 1874 zu Fuß mit Skiern und Schlitten zu durchqueren. Bis dato sind allerdings bürokratische wie finanzielle Hindernisse für die Durchführung des Projektes nicht ganz aus dem Weg. Wobei die finanzielle Hürde die höhere scheint.

Leopold Guggenberger, der ehemalige Bürgermeister von Klagenfurt sowie Vorsitzende des österreichischen Payer-Weyprecht-Polarforschungsfonds, sah im Gespräch das bürokratische Problem so gut wie beseitigt: "Auch wenn das Franz-Joseph-Land nach wie vor militärisches Sperr- und Umweltschutzgebiet ist, geht es bei der geplanten Gedächtnis-Expedition um hehre wissenschaftliche Zwecke." Zumal es in den vergangenen Jahren immer wieder derartige Unternehmungen auf der Inselgruppe gegeben habe.

Finanzierung

Die Einreisegenehmigung seitens der russischen Behörden sollte Guggenbergers Worten zu Folge somit problemlos zu erhalten sein. Aus dem Büro des Vorsitzenden der russischen Partnerorganisation "Polarstiftung", Artur Tschilingarow, verlautete auf Anfrage, dass über diese Frage "erst im Herbst", wenn sich beide Seiten das nächste Mal treffen, entschieden werde. Dann werde man auch über die Finanzierung des Vorhabens sprechen können.

Dieser Punkt bereitet Guggenberger mehr Kopfzerbrechen. Öffentliche Gelder für die Realisierung der Expedition scheinen schwer zu bekommen. Guggenberger: "Ich bin mit der Bundesregierung seit langem in Verhandlung, habe jedoch noch keine Zusicherung." Indes ist man auf der Suche nach Privatsponsoren, die auch auf russischer Seite zu finden sein könnten. So wird bei den Initiatoren laut über eine Beteiligung namhafter Konzerne aus dem größten Land der Erde nachgedacht. (APA)

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