Von wegen "Risikogruppen": Frauen werden allmählich zu den Hauptbetroffenen

21. Juli 2004, 12:19
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Ganz anders als in Westeuropa wird die Seuche vor allem in ärmeren Ländern überwiegend "feminisiert"

Bangkok - Wenn nicht sofort umfassend geholfen wird, droht Frauen eine verheerende Aids-Katastrophe. Ihr Anteil an den weltweit infizierten Menschen ist von 41 Prozent im Jahr 1997 auf 48 Prozent Ende 2003 gestiegen. Das geht aus einem am Mittwoch auf der Weltaidskonferenz in Bangkok veröffentlichten UNO-Bericht hervor.

Damit könnten Frauen künftig die Hauptlast der unheilbaren Krankheit tragen. Besonders schlimm ist die Situation im Süden Afrikas: Dort sind fast 60 Prozent aller Infizierten Mädchen oder Frauen. "Die Immunschwäche wird zunehmend feminisiert", sagte Thoraya Obaid, Chefin des UNO-Bevölkerungsfonds (United Nations Population Fund). Ein Ende dieses Trends sei nicht abzusehen.

Bei den Jüngeren bereits in der Mehrzahl

In der Gruppe der 15 bis 24 Jahre alten Infizierten machten Frauen 60 Prozent aus. Besonders schlimm sei die Situation im Süden Afrikas: Dort leben 77 Prozent aller HIV-positiven Frauen. Die einzige wirkliche Hilfe liege in der schnellen und nachhaltigen Stärkung der Rechte der Frauen, sagte Obaid in Bangkok. "Bildung ist ein Muss für Mädchen", ergänzte sie und bekräftigte damit eine zentrale Forderung von UNO-Generalsekretär Kofi Annan.

Was gebraucht wird

Die vielfach propagierten drei Konzepte Enthaltsamkeit, Treue und Kondome ("ABC": abstinence, being faithful, condoms) allein reichten jedenfalls nicht aus, ergänzte Obaid. "Enthaltsamkeit ist keine Option, wenn die Frau vom Mann abhängig ist. Treue nutzt nichts, wenn sich der Mann nicht auch daran hält. Und Kondome blieben wirkungslos, wenn die Frauen ihren Gebrauch nicht erzwingen können." Überall auf der Welt hätten junge Frauen außerdem vielfach Sex mit älteren Männern, die mehr Erfahrung und damit ein wesentlich höheres Infektionsrisiko tragen, ergänzte Thoraya Obaid.

Frauen werden bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr etwa doppelt so leicht infiziert wie Männer. Sie sind besonders in Afrika und Asien vielfach wirtschaftlich von ihren Ehemännern abhängig und können sich gegen sie daher oft nicht wehren. Je länger mit der Hilfe gewartet werde, um so höher werde der Preis, den Mädchen und Frauen dafür zahlen müssen, warnt die UNO. Unterdessen drohe bereits eine neue Epidemie in Asien, wo zurzeit bereits 7,4 der weltweit insgesamt etwa 38 Millionen Aidsinfizierten leben. Dort sei die Lage der Frauen vielfach nicht besser als in Afrika.

Ganz andere Situation in Westeuropa

Die Zahlen des in Bangkok vorgestellten Berichtes "Confronting the Crisis" weisen für Westeuropa einen völlig anderen Trend aus: Hier sind 150.000 Frauen und 450.000 Männer mit HIV infiziert. Dort wird das Virus meist nicht beim Sex, sondern in "Risikogruppen" wie Schwulen und Drogenabhängigen weitergegeben. (APA)

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