OPEC verspricht nach Terrorwarnung Festhalten an Fördererhöhung

18. Juli 2004, 19:44
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Kartell überprüft Preisspanne - Trichet warnt vor Inflation

Jakarta/New York - Nach einer neuen Terrorwarnung hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ihre Absicht bekräftigt, die Förderung zu erhöhen. "Die OPEC hat noch immer eine Vereinbarung, ihre Quoten im August um 500.000 Barrel pro Tag auszuweiten", sagte der Präsident der Organisation, der indonesische Ölminister Purnomo Yusgiantoro, am Freitag in Jakarta. Er reagierte damit knapp zwei Wochen vor dem OPEC-Sondertreffen am 21. Juli auf Äußerungen aus dem Kartell, die Fördererhöhung könne verschoben werden.

In New York war der Ölpreis zuvor bis zum Handelsschluss am Donnerstag bis auf 40,33 Dollar (32,60 Euro) gestiegen und damit erstmals seit dem 1. Juni wieder über die 40-Dollar-Marke. Experten führten den Preissprung auf die Terrorwarnung durch den US-Minister für Innere Sicherheit, Tom Ridge, zurück. Ridge hatte gesagt, das Terrornetzwerk El Kaida bereite einen Anschlag "großen Ausmaßes" vor.

Lage beruhigt sich

Am Freitag beruhigte sich die Lage auch angesichts der OPEC-Erklärung wieder. In London verbilligte sich die Nordseesorte Brent bis zum frühen Nachmittag um 35 Cent auf 37,42 Dollar.

Die OPEC hatte Anfang Juni bei ihrem Treffen in Beirut beschlossen, die Produktion zum 1. Juli um zwei Millionen Barrel auf 25,5 Millionen Barrel zu erhöhen. Anfang August soll eine Ausweitung auf 26 Millionen Barrel folgen. Der iranische Erdölminister Bidshan Namdar Sanganeh hatte Ende der vergangenen Woche die Ansicht vertreten, die derzeitigen Ölpreise von weit über 35 Dollar je Barrel (159 Liter) seien "gut", daher könne die OPEC die für August beschlossene Zunahme der Förderung aufschieben.

Zielspanne erhöhen

OPEC-Präsident Yusgiantoro sagte, beim kommenden Treffen werde aber auch diskutiert werden, ob die Organisation ihre Zielspanne für den Ölpreis von derzeit 22 bis 28 Dollar pro Barrel erhöhen werde. Nach Presseberichten könnte diese auf 25 bis 32 Dollar angehoben werden. Saudi-Arabiens Ölminister Ali El Nuaimi sagte der Pariser Zeitung "Liberation" (Freitagsausgabe), die Spanne zwischen 22 und 28 Dollar sei ein "vernünftiges Ziel".

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, warnte unterdessen vor möglichen Auswirkungen auf die Inflation in der Eurozone. Einige Marktexperten erwarteten weiter hohe Ölpreise, sagte er bei einer Konferenz in Paris. "Wenn dies passiert, werden die Inflationsraten höchstwahrscheinlich dieses Jahr länger als erwartet über zwei Prozent bleiben und wahrscheinlich auch in der ersten Hälfte des kommenden Jahres." Allerdings sei das Hauptszenario der Bank noch immer "eine mittelfristige Inflation in Übereinstimmung mit der Preisstabilität". Die EZB hat sich als Stabilitätsziel eine Inflationsrate von unter zwei Prozent in der Eurozone gesetzt.(APA)

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