Schwarzenegger kommt als US-Vertreter

10. Juli 2004, 14:41
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Kalifornischer Gouverneur leitet Delegation beim Staatsbegräbnis - Bush, Powell und Armitage würdigen Klestil in Washington

Washington - Die USA ehren den verstorbenen österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil, der einen Großteil seines diplomatischen Berufslebens in verschiedenen Positionen in den Vereinigten Staaten verbrachte: Zum Requiem im Stephansdom und zum Staatsbegräbnis am Samstag am Wiener Zentralfriedhof wird der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger auf Bitte des Weißen Hauses die US-Delegation leiten. Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush das österreichische Staatsoberhaupt als "außerordentlichen Mann" und "wahren Freund der USA" gewürdigt.

"Beispielhafter Dienst"

Das US-Außenministerium hat dem österreichischen Volk und Klestils Familie das Beileid ausgesprochen: "Präsident Klestil leistete der österreichischen Nation einen beispielhaften Dienst. Er pflegte eine tiefe und anhaltende Freundschaft zu den USA, wo er Österreich zwei Mal in Washington, davon einmal als Botschafter, in New York als Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen und in Los Angeles als Generalkonsul vertrat. Er wird vermisst werden".

Powell und Armitage würdigen Klestil in Washington

US-Außenminister Colin Powell und der Staatssekretär im State Department, Richard Armitage, haben am Freitag Bundespräsidenten Thomas Klestil die letzte Ehre erwiesen. In der österreichischen Botschaft in Washington trugen sich die beiden Politiker in das Kondolenzbuch für das verstorbene Staatsoberhaupt ein. Powell betonte anschließend im Gespräch mit Botschafterin Eva Nowotny seine Anteilnahme an der Trauer um Klestil und drückte dem österreichischen Volk sein Beileid aus.

"Im Namen von Präsident Bush und seiner Gattin übermittle ich dem österreichischen Volk und der Familie von Präsident Thomas Klestil mein Mitgefühl und meine tiefste Anteilnahme Er war ein großer Staatsmann und Diener seines Volkes, sowie ein Diener der ganzen Menschheit. Er wird vermisst werden", schrieb Powell in das Kondolenzbuch. Die österreichische Fahne vor der Botschaft war zum Zeichen der Trauer auf Halbmast gesetzt, Klestils Bild mit einem Trauerflor schwarz umrahmt.

Als "Zeichen der Verbundenheit zwischen dem österreichischen und dem amerikanischen Volk" habe Präsident George W. Bush den kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger zum Staatsbegräbnis für Klestil entsandt, sagte Powell anschließend vor Journalisten. Er habe Klestil auch persönlich gekannt, so der US-Außenminister. Botschafterin Nowotny erinnerte an das vielfältige Wirken Klestils in den USA. Der Spitzendiplomat war als Botschafter in Washington und bei den Vereinten Nationen in New York sowie als erster österreichischer Generalkonsul in Los Angeles tätig.

"Lieber Freund"

Schwarzenegger hatte Klestil als "lieben Freund" gewürdigt. Der aus Österreich ausgewanderte Filmstar und ehemalige Bodybuilder hatte Klestil noch aus dessen Zeit als Generalkonsul in Los Angeles gekannt. "Thomas Klestil widmete sein Leben dem Dienst an seinem Land und seine Leistungen für Österreich werden niemals vergessen sein", heißt es in der offiziellen Erklärung des kalifornischen Gouverneurs. Schwarzenegger wird am Freitag für einen Kurzbesuch nach Österreich fliegen, obwohl er in intensive Budgetverhandlungen verstrickt ist, die die Verabschiedung des 103-Mrd.-Dollar-Haushalts (83,4 Mrd. Euro) des größten US-Staats bereits verzögert haben. Klestil hatte eine enge Beziehung zu Kalifornien. Als erster österreichischer Generalkonsul in Los Angeles hatte er 1969 das Generalkonsulat im Westen der USA eröffnet, das er bis 1974 leitete.

Nachrufe in den großen US-Zeitungen

Ausführlich haben die großen US-Zeitungen über den Tod von Klestil berichtet. Die "New York Times", die "Washington Post" und die "Los Angeles Times" druckten einen Nachruf ab, der von der US-Nachrichtenagentur AP verfasst worden war. "Der österreichische Präsident Thomas Klestil, der Ruhe in das Amt gebracht hat, welches von der Kontroverse um die Vergangenheit seines Vorgängers in der Nazi-Armee erschüttert worden war, ist am 6. Juli gestorben. (...) Klestil wurde von vielen geschätzt, weil er nach den Enthüllungen über die Zeit seines Vorgängers Kurt Waldheim im Dienst der Nazi-Armee die Glaubwürdigkeit Österreichs wiederherstellte. Präsident Klestil hat sich abgesetzt (von Waldheim, Anm.), indem er mehrmals öffentlich Österreichs Mittäterschaft im Zweiten Weltkrieg verurteilt hat, und bei einem Besuch in Israel während seiner ersten Amtsperiode seine Sympathie für Holocaust-Opfer ausdrückte."

Diplomatische Positionen in den USA

Klestil hat einen großen Teil seines Berufslebens in verschiedensten diplomatischen Positionen in den Vereinigten Staaten von Amerika verbracht. Nach seiner ersten Auslands-Tätigkeit in der österreichischen Delegation bei der OECD in Paris wurde er 1962 nach Washington versetzt, wo er bis 1966 die Wirtschaftsverbindungsstelle an der Botschaft leitete. Von 1969 bis 1974 diente er als Generalkonsul in Los Angeles. 1978 übernahm Klestil in New York die Leitung der Ständigen Vertretung Österreichs bei den Vereinten Nationen. Von New York wechselte er 1982 als Botschafter nach Washington und blieb dort bis 1987 tätig.

Besuch bei Clinton 1995

Nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten 1992 versuchte Klestil mit seinen Auslandsreisen Österreich aus der teilweisen internationalen Isolation während der vorhergegangenen Amtsperiode von Kurt Waldheim hinauszuführen. 1995 besuchte er auf Einladung von US-Präsident Bill Clinton Washington und wurde im Weißen Haus empfangen. Im Holocaust-Museum legte Klestil in der "Halle des Gedenkens" einen Kranz nieder. Im April 2002 war der ehemalige US-Präsident George H.W. Bush bei einem Privatbesuch in Wien von Klestil empfangen worden. Die angekündigte Reise Klestils nach Washington zur Trauerfeier für US-Präsident Ronald Reagan im Juni dieses Jahres wurde wieder abgesagt. (APA)

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    Auf Bitte des Weißen Hauses wird der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger die US-Delegation leiten.

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    US-Außenminister Powell trägt sich im Kondolenzbuch in Washington ein.

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    Die Eintragung von Colin Powell.

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