Zu viel Futter für zu wenige Kühe

14. Juli 2004, 09:48
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Tiroler Almen drohen zu verwalden prognostiziert eine Studie für 2010 für knapp 80 Prozent der Kulturflächen

Innsbruck - In Tirol droht ein dramatischer Verlust an alpiner Kulturlandschaft. Schon jetzt wächst auf mehr als der Hälfte des Grünlandes mehr Futtermittel, als benötigt wird. Nach einer Studie der Bundesanstalt für Alpenländische Landwirtschaft in Gumpenstein (BAL) wird sich diese Tendenz weiter verschärfen. Die BAL prognostiziert für 2010 für knapp 80 Prozent der Kulturflächen Überschüsse.

Bedarf an Grünfutter und Heu sinkt kontinuierlich

Der Bedarf an Grünfutter und Heu sinkt kontinuierlich, weil durch Kraftfutter und Zuchterfolge die kontingentierte Milchmenge von immer weniger Kühen produziert wird. Ludwig Penz, Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer, spricht von einer großen Gefahr, dass vor allem höher gelegene Wiesen und Almen nicht mehr "offen gehalten" werden und verwalden. Der Verlust an Kulturlandschaft bedrohe das auch in touristischem Zusammenhang gewohnte Tirol-Bild. Flugaufnahmen würden zeigen, dass "die Seitentäler schon zuwachsen".

Nationalparkgemeinden betroffen

Während die Futtermittelbilanz im Zentralraum des Inntals noch halbwegs im Lot ist, sind vor allem die höher gelegenen Gebiete der Bezirke Imst, Landeck und Lienz von der Problematik betroffen, darunter auch die Osttiroler Nationalparkgemeinden. Nationalparkdirektor Hermann Stotter verweist auf eigene Erhebungen, wonach nur noch die Hälfte der Kulturflächen im Nationalpark Hohe Tauern tatsächlich genutzt wird. "Damit nicht alles zuwächst", sei es notwendig gewesen durch den "massiven Einsatz öffentlicher Gelder den Bewirtschaftungsrückgang zu stoppen". In den zehn Osttiroler Nationalparkgemeinden würden derzeit jährlich 300.000 Euro an Fördergeldern zur Erhaltung der Kulturlandschaft ausgegeben. Eine Ausdehnung auf ganz Tirol in dieser Größenordnung kann sich Stotter nicht vorstellen.

Frühwarnsystem

Die Landwirtschaftskammer will nun ein Kulturlandschaftsmonitoring einführen, das es erlauben soll, in Verbindung mit dem Geografischen Informationssystem (GIS) Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Penz spricht von einem Auftrag an die Agrarpolitik, mehr Mittel bereitzustellen, um die Erhaltung der Landschaft abgelten zu können. (hs, DER STANDARD Printausgabe 9.7.2004)

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