Blinder "Häkel-Henry" läuft bei Paralympics

11. Juli 2004, 23:17
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Erstmals trainierten die Spitzenläufer Michael Buchleitner und der blinde Henry Wanyoike Seite an Seite im Ernst-Happel-Stadion

Wien - Am Donnerstag trainierten erstmals die Spitzenläufer Michael Buchleitner und der blinde Henry Wanyoike Seite an Seite im Ernst-Happel-Stadion, um sich auf den gemeinsamen Marathonpaarlauf bei den Paralympics im September vorzubereiten.

Diese sportliche Symbiose ermöglicht Buchleitner, der bereits im August bei den Olympischen Spielen alleine um Gold gekämpft haben wird, die Möglichkeit auf eine zweite Goldmedaille. Henry bekommt die Chance, durch Buchleitners Augen an dem Bewerb teilzunehmen. Zu Henrys Orientierung sind sie beim Lauf durch ein Band am Handgelenk verbunden.

Bereits im Jahr 2000 gewann der blinde Läufer und gelernte Stricker (Spitzname "Häkel-Henry") in Sidney bei den Paralympics Gold. Damit überraschte er seine Umwelt, die seinen Traum, internationaler Läufer zu werden, als Spinnerei abstempelte.

Licht für die Welt

Initiiert wird der Paarlauf von der Christoffel-Blindenmission, die blinden und augenkranken Menschen in den Armutsgebieten dieser Erde hilft. Ein prominenter Förderer der Mission ist neben Michael Buchleitner der Sänger Paddy von der Kelly Family. Er unterstützt mit dem Verkauf von eigens entworfenen T-Shirts die Organisation. Um sich besser in die Welt der Blinden hineinzuversetzen, ließ er sich sogar für 24 Stunden die Augen verbinden. Anders als beim Laufen bei den Paralympics, wo Henry geführt wird, war es diesmal der blinde Sportler, der Paddy Kelly einen Tag lang den Weg zeigte. Für beide eine unvergessliche Erfahrung, die der Sänger mit folgenden Worten beschrieb: "Meine Augen haben sich geöffnet, indem ich sie zugemacht habe." (tb, die, DER STANDARD Printausgabe 9.7.2004)

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