Staatstrauerarbeit

9. Juli 2004, 17:43
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Seit mehr als 48 Stunden beobachten wir, wie hart Staatstrauerarbeit sein kann - Ein Kommentar von Daniel Glattauer

Unter "Trauerarbeit" versteht das Wörterbuch einer Nation, deren stärkster Ruf immer schon der Nachruf war, die psychische "Bewältigung von Trauer". "Staatstrauer" wiederum bezeichnet eine "staatlich festgelegte Trauer". Österreich befindet sich derzeit im bedenklichen Zustand der Verrichtung von "Staatstrauerarbeit", bemüht sich also um die "psychische Bewältigung einer staatlich festgelegten Trauer".

Seit mehr als 48 Stunden beobachten wir, wie hart Staatstrauerarbeit sein kann, wenn sie (auf Sendung) sein muss. Der ORF hat sich selbstlos in den Dienst der Bekämpfung der Staatstrauerarbeitslosigkeit gestellt. Erst ein einziger Fall von Staatstrauerarbeitsverweigerung ist ihm bisher untergekommen: Exgeneralintendant Gerd Bacher nahm das obszöne Wort "Heuchelei" in den Mund. Sonst blieb die Staatstrauer zum Tod des Präsidenten bisher ungetrübt. Kulturfreund Thomas Klestil liebte ja vor allem die Schauspieler. Sie schlagen sich derzeit am besten, und stündlich werden es mehr.

Trauer ist übrigens auch ein Gefühl. Die um Klestil wirklich trauern, sind derzeit doppelt geprüft. Sie haben neben ihrer Trauer auch die verlogene Staatstrauerarbeit zu bewältigen.

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