Polizei angeblich Quelle von falschen Sprengstoffinfos in Madrid

9. Juli 2004, 18:19
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Madrids Ex-Sicherheitschef soll vor Ausschuss zum 11. März

Madrid - Die Fehlinformation über den bei den Terroranschlägen vom 11. März verwendeten Sprengstoff stammt angeblich von einem der ranghöchsten Mitarbeiter der spanischen Polizei. Der ehemalige Vize-Polizeichef Pedro Diaz-Pintado sagte am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss des spanischen Parlaments, er habe die Falschmeldung vom damaligen Sicherheitschef von Madrid, Santiago Cuadro, erhalten.

Cuadro habe ihm wenige Stunden nach den Bombenanschlägen während einer Sitzung am Telefon gesagt, dass es sich bei dem Sprengstoff um Titadyn gehandelt habe, das üblicherweise von der baskischen Untergrundorganisation ETA eingesetzt wird. Ursache dieses "bedauerlichen Fehlers" sei vermutlich "Überstürzung" gewesen.

Erst am Mittwoch hatte der oberste Sprengstoffexperte der Polizei, Juan Jesus Sanchez Manzano, vor dem Ausschuss betont, dass aus seinem Expertenteam niemand jemals das Industriedynamit Titadyn während der Untersuchungen erwähnt habe. Seiner Aussage nach hatten die Spezialisten den Sprengstoff erst in der Nacht nach den Anschlägen zweifelsfrei identifiziert. Der Ausschuss will nun in der kommenden Woche Cuadro zu dem Vorgang befragen. Angehört werden sollen dann auch der Ermittlungsrichter Baltasar Garzon und der ehemalige Geheimdienstchef Jorge Dezcallar.

Der Untersuchungsausschuss soll die Ereignisse zwischen den Anschlägen vom 11. März und der Parlamentswahl am 14. März klären. Bei den Anschlägen auf vier Pendlerzüge in Madrid waren 191 Menschen getötet und fast 2000 verletzt worden. Die bei der Wahl siegreichen Sozialisten werfen der konservativen Vorgängerregierung von Jose Maria Aznar vor, wider besseren Wissens bis zum Wahltag an der ETA-These festgehalten zu haben. (APA)

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