Ja zu Gendiagnostik im Reagenzglas

14. Juli 2004, 13:01
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Österreich: Die Bioethikkommission befürwortet Präimplantationsdiagnostik

Wien - Die Bioethikkommission des Bundeskanzleramtes befürwortet die beschränkte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID). Mit einer Mehrheit von zwölf Stimmen zu sieben legt sie in ihrer jüngsten Empfehlung eine Gesetzesänderung nahe.

PID ist die genetische Untersuchung von im Reagenzglas befruchteten, achtzelligen Embryonen vor der Einpflanzung in den Mutterleib. Sie kann nur bei künstlicher Befruchtung angewandt werden. Befürworter argumentieren mit ihrem medizinischen Nutzen, die Gegner stemmen sich gegen menschliche Selektion und die Tatsache, dass eine Entscheidung über Leben und Tod schon im Reagenzglas gefällt werden kann.

Die PID gilt in Österreich als verboten. Allerdings ist das Fortpflanzungsmedizingesetz von 1992, aus dem das Verbot herausgelesen wird, variabel interpretierbar: Es dürfe "getan werden, was erforderlich für eine Schwangerschaft ist", "Präimplantationsdiagnostik" ist jedoch nicht erwähnt. "Somit besteht kein explizites Verbot, aber es traut sich kein Mediziner, einen Musterprozess anzustreben", erklärt Ulrich Körtner vom Institut für Ethik in der Medizin der Uni Wien dem STANDARD.

Die Kommission plädiert für klare Verhältnisse: PID soll erlaubt sein, um die Überlebenschancen von Embryonen zu testen. "Nur 60 Prozent der Embryonen überleben nach der Befruchtung. Warum sollten wir also Frauen todgeweihte Achtzeller einsetzen?", argumentiert Markus Hengstschläger, Reproduktionsmediziner am AKH. Außerdem soll mit PID nach chromosomatische Schäden gesucht werden dürfen, die den Tod im Mutterleib oder nach der Entbindung zur Folge hätten.

Genetische Elite

Die Kommission wehre sich gegen eine "Selektion, wo Kinder aufgrund eines Krankheitsgens nicht zur Welt kommen dürfen", betont deren Präsident Johannes Huber. Einen "Dammbruch" befürchtet er nicht: In den meisten Ländern sei PID seit Jahren erlaubt. Trotzdem hätten weltweit bisher nur 1000 solcher Diagnosen stattgefunden. Und die Gefahr, dass eine Zulassung den Willen zu einer genetischen Elite nach sich ziehen könnte, sei nicht das Problem der Medizin.

Sollte die Politik PID zur Suche nach chromosomatischen Schäden erlauben, müsste sie wohl auch das Gesetz zur künstlichen Befruchtung ausdehnen. Denn dieses Recht haben derzeit nur Menschen mit Fruchtbarkeitsproblemen. Chromosomatische Schäden könnten jedoch in jedem schlummern. (Eva Stanzl/DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2004)

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