Rapid und das prinzipielle Dilemma

14. Juli 2004, 10:14
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Trainer Hickersberger erwartet bessere Resul­tate - Die gute Stim­mung soll sich lediglich wiederholen, mit vielen anderen Spielern

Wien - Vor einer Meisterschaft ist stets das Gefühl. "Gefühlsmäßig sind wir stärker geworden", sagt Rapids Trainer Josef Hickersberger. "Nicht um Eckhäuser, aber doch. Man kann sich selbst nur schwer einschätzen. Das ist zwar nicht originell, aber Faktum."

Bei Rapid wurden rege Spieler getauscht. Roman Wallner, René Wagner, Ante Jazic, Mario Prisc, Jovica Vico und Mehdi Pashazadeh gingen, Marek Kincl, Tomas Dosek, Peter Hlinka, Markus Katzer, György Korsos und Eldar Topic kamen. Hickersberger: "Die Qualität ist in Ordnung, die Harmonie fehlt noch."

Austria blockierte Linz-Kauf

Der Wechsel von Wallner nach Hannover sei kaum zu verhindern gewesen. "Er hatte einen Vertrag aus den goldenen Zeiten, hätte Abstriche machen müssen. Abgesehen davon hat er sich bei uns kaum weiterentwickelt." Rapid wollte Roland Linz als Ersatz, man war sich mit dem Teamstürmer einig, die Austria stimmte aber nicht zu. Sie erteilte die Freigabe an alle, Rapid und GAK ausgenommen. Linz landete in Nizza. Hickersberger: "Wir sind prinzipiell nicht vom österreichischen Weg abgewichen, versuchen, den Nachwuchs, heranzuführen. Aber es gab im Inland keine Alternativen. Man muss als Klub darauf achten, international halbwegs konkurrenzfähig zu sein. Das ist das ewige Dilemma, in dem unser Fußball steckt."

Die Hütteldorfer schlossen die Vorsaison als Vierte ab, auf einen sommerlichen Herbst folgte ein trüber Frühling. Die Fans verziehen oder ignorierten die Schwächephasen, der Schnitt bei Heimpartien betrug mehr als 12.000, diesmal läuft der Abo-Verkauf noch prächtiger. Hickersberger: "Um ehrlich zu sein, war der Boom größer als das Ergebnis. Es gilt nun, auf dem Feld mitzuhalten. Ich will Meister werden. Oder zumindest das Titelrennen offen halten. Aber der GAK und die Austria sind besser." Rapids Budget wurde um rund eine Million Euro auf 9,3 aufgestockt, daran war der neue TV-Vertrag mit Premiere und ATV+ beteiligt.

Kleine können groß werden

Die EM hat Hickersberger kaum großartige Erkenntnisse beschert. "Außer die, dass die Partien spektakulär waren." Griechenland habe bewiesen, "dass man als Außenseiter viel erreichen kann. Nicht in einem Spiel, in einem ganzen Turnier. Die Mannschaft hat sich der Taktik untergeordnet." Das bedeute aber nicht, "dass die Zeit der Stars vorbei ist. Leute wie Figo, Zidane oder Beckham waren total ausgepumpt. Die Griechen hatten den Vorteil, dass viele bei ihren Klubs nur zweite Wahl sind. Und es ist ein alter Hut, dass sich große Teams gegen defensiv eingestellte schwer tun."

Rapid werde gewiss nicht versuchen, den Stil Griechenlands zu kopieren. "Erstens geht das sowieso nicht, zweitens würde man die Leute aus dem Stadion vertreiben." Mental könne man aber profitieren. "In Portugal wurde man an die Tatsache erinnert, dass Fußball der einzige Sport ist, in dem der Kleine es dem Großen zeigen kann. Das ist Teil der Faszination."

Rapid startet am kommenden Mittwoch in Bregenz. Das kann, muss nicht faszinierend sein. Hickersberger: "Man weiß nicht, wo man steht." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 9.7. 2004)

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    Josef Hickersberger: "Fußball der einzige Sport ist, in dem der Kleine es dem Großen zeigen kann. Das ist Teil der Faszination."

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