Kritik an Cheney nimmt an Schärfe zu

13. Juli 2004, 20:16
15 Postings

Edwards-Bonus gibt Demokraten im Süden Auftrieb - Widersprüchliche Umfragen zeigen mal Bush mal Kerry mit 49 zu 45 Prozentpunkten vorn

Mit dem Einstieg von Senator John Edwards als Vizepräsidentschaftskandidat für John Kerry ist der Kampf zwischen den politischen Lagern in den USA deutlich verschärft worden. Präsident George W. Bush, der Mittwoch in Edwards' Heimatstaat North Carolina wahlkämpfte, gab sich äußerst ungeduldig, als er mit Fragen über Edwards konfrontiert wurde. Auf die Frage, wie Bush die Chancen des republikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney gegen Edwards beurteile, meinte er nur ruppig "Cheney kann Präsident sein" und ging sofort zur nächsten Frage über.

John Kerry blieb die Antwort nicht lange schuldig: Edwards habe mehr Erfahrung als Bush gehabt habe, bevor dieser Präsident wurde. Die Republikaner reagierten "panisch" auf Edwards, meinte Kerry-Berater Tad Devine. Er sei enttäuscht, dass Bush nun Tiefschläge austeile.

Die ersten Umfragen zeigen, wie erwartet, einen Aufschwung für Kerry/Edwards gegen Bush/Cheney: CBS sieht die Demokraten mit 49 zu 45 Prozent voran; NBC sogar mit 49 zu 41. Die Frage, ob Edwards qualifiziert sei, im Notfall die Präsidentschaft zu übernehmen, wird mit 57 Prozent bejaht - die gleiche Anzahl, die Dick Cheney vor der Wahl im Jahr 2000 erhielt. Während 54 Prozent positiv über den Senator aus North Carolina denken und nur 16 Prozent negativ, steht Cheney mit 43 positiv zu 44 negativ weit hinter dem Demokraten.

Eine Erhebung des Ipsos-Instituts die von Montag bis Mittwoch rund 800 Wahlberechtigte befragte, fällt genau gegenteilig aus: Dort liegt US-Präsident George W. Bush in der Wählergunst knapp vor seinem Herausforderer John Kerry. In einer Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur AP unterstützten 49 Prozent der Befragten den Amtsinhaber, 45 Prozent sprachen sich für den Kandidaten der Demokratischen Partei aus. Der unabhängige Kandidat Ralph Nader kam auf drei Prozent.

Cheneys Unbeliebtheit könnte Bush den Sieg kosten

Cheneys Unbeliebtheit, so befürchten viele Republikaner, könnte Bush den Wahlsieg kosten - der einflussreiche republikanische Exsenator aus New York, Alfonse d'Amato, meinte unverblümt, Bush solle Cheney so bald wie möglich fallen lassen und durch eine zugkräftigere Figur wie etwa Außenminister Colin Powell ersetzen.

Cheney bleibt weiterhin im Kreuzfeuer der Kritik: Mit der Anklageerhebung gegen den Ex-Enron-Chef Kenneth Lay könnten Vorwürfe, Cheney habe seine Energiepolitik von wichtigen Energiekonzernen mitbestimmen lassen, wieder Schlagzeilen machen. (APA/red/DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2004)

Susi Schneider aus New York
  • Bild nicht mehr verfügbar

    John Edwards mischt auf: Der neue Partner von John Kerry schmeichelt sich gekonnt bei den US-Bürgern ein und hat dem Wahlkampf der Demo- kraten neues Leben eingehaucht.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Für Dick Cheney schaut es trübe aus: Der Unmut über den wenig populären Vizepräsidenten wächst.

Share if you care.