Auf Schatzsuche

5. April 2005, 14:35
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Der sicheren Orientierung am Berg kann ein GPS-Gerät dienen. Immer mehr Outdoor-Fans benutzen es beim "Geocaching"

Die "Ruine Scharnstein" oder der "Ritterfriedhof" sind Ziele aktueller Schatzsucher in Österreich. Was sie dort finden, ist eine Überraschung, was sie im Austausch für künftige Schatzsucher hinterlegen, bleibt ihrer Fantasie überlassen: einen schönen Stein gegen ein Comic-Heft, eine Ansichtskarte gegen eine Packung Gummibärchen.

Die nicht wirklich wertvollen Preise sind zwar das Ziel, der eigentliche Zweck aber ist der Weg, auf den man bei dieser neuartigen elektronische Schnitzeljagd geschickt wird. Unter dem Namen "Geocaching" - "cache" ist das englische Wort für Versteck oder Verstecken - ist diese Wegsuche zu einem weltweiten Spaßspiel geworden, an dem jeder via Internet teilnehmen kann.

In Österreich eröffnet die Website www.geocache.at den Zugang zum Geocaching. Hier können Caches abgerufen, aber auch eingegeben werden, wobei der Reiz einerseits in der Lösung eines Rätsels, andererseits im Entdecken schöner Wege in reizvollen Landschaften besteht. Voraussetzung dabei ist die Handhabung eines GPS-Geräts, das mit Hilfe von Satellitennavigation die genaue Lokalisierung eines Ortes nach Längen- und Breitengraden erlaubt.

GPS (Global Positioning System) wurde in den USA als militärisches Ortungssystem entwickelt, das Raketen punktgenau an ihr Ziel bringt. Unter der Clinton-Administration wurde die bis dahin geltende Verschlüsselung, die die zivile Nutzung auf 100 Meter Genauigkeit beschränkte, "bis auf Widerruf" aufgehoben.

Dadurch ist GPS mit einer Genauigkeit von optimal vier Metern zum universellen Orientierungssystem geworden, das mit Hilfe unterschiedlicher Geräte in der Schifffahrt, im Autoverkehr und zunehmend - mit einem barometrischen Höhenmesser ausgestattet - auch für Bergwandern und Mountainbiken Verwendung findet.

Insgesamt 24 Satelliten bilden das navigative Netzwerk. Um zum Navigieren bereit zu sein, muss das Gerät dabei die Signale von mindestens drei dieser Satelliten empfangen. In geschlossenen Wohnungen, unter Bäumen oder in engen Schluchten ist das unmöglich.

Wer nicht über technische Fähigkeiten verfügt, die die Bedienung eines Handys deutlich übersteigen, dem ist vor dem Kauf eines GPS-Geräts eine Einführung zu empfehlen, wie sie alpine Vereine anbieten. Die Bergsteigerschule des Österreichischen Alpenvereins veranstaltet - im AV-Haus in Innsbruck und auf verschiedenen Schutzhütten - GPS-Seminare nach einem dreistufigen Modulsystem (1. Basisgeräteschulung, 2. Praxis mit Karte und GPS im Gelände, 3. Praxis und Verbindung von GPS und PC).

Einfacher ist eine Grundschulung der Alpenvereinssektion Austria in Wien. Dabei erklärt Sektionsmitarbeiter Fredi Marschoun das Prinzip von GPS und erläutert anschließend auf einem zweistündigen Trip durch den Schönbrunner Schlosspark die verschiedenen Funktionen und Bedienungen des Geräts. Beide, die Bergsteigerschule in Innsbruck und die Sektion Austria, verwenden in ihren Kursen die Geräte eTrex Summit und eTrex Vista.

Die Basisfunktion eines GPS-Geräts ist die Markierung eines Punkts nach Längen- und Breitengraden, die das Gerät unter fortlaufenden Nummern speichert. Damit erhält man einen Ausgangspunkt, dem man einen Namen gibt, um dann während einer Wanderung oder Mountainbiketour (das Gerät lässt sich mit einer Halterung am Radlenker befestigen) beliebig viele weitere Punkte (Waypoints) zu markieren und zu benennen.

Damit entsteht eine Wanderroute, die im Gerät einprogrammiert ist, der man einen Namen geben und die man beliebig wiederholen kann, wobei das Display wahlweise die Route oder das Ziel angibt. Für Wanderungen oder Radtouren im Gebirge sind die Höhenangaben des Geräts, die die Seehöhe, die Steige- bzw. Sinkrate und ein Höhenprofil festhalten, unerlässlich.

Das Markieren einer begangenen Route - nicht viel anders, als das Hänsel und Gretel mit den weißen Kieselsteinen gemacht haben - ist die eine Möglichkeit der Orientierung mit GPS, die andere ist das Zeichnen einer Route mit Hilfe der Längen- und Breitenangaben von Ortspunkten einer Landkarte, die auf das GPS übertragen werden. Dieses Verfahren wurde zuletzt durch elektronische Landkarten, die in Form von CD-ROMS auf dem PC darstellbar sind, sehr erleichtert. So ist es möglich, die markierten Wanderwege der Österreichkarte, Maßstab 1:50.000, die als Austrian Map Ost und West auf einer Doppel-CD erschienen ist und auf dem Bildschirm perspektivische 3-D-Ansichten ermöglicht, mit einem Interface-Kabel auf das GPS-Gerät zu überspielen.

Noch einfacher wird dies mit Hilfe der so genannten Topo-Karten, die es für Deutschland und Tschechien bereits gibt und die bis Ende des Jahres auch für Österreich erhältlich sein soll.

Wie wäre es mit einem Ziel auf 2030 Metern Seehöhe, vage Koordinaten 47 Grad 10 Minuten nördlicher Breite und 11 Grad 15 Minuten östlicher Länge? Das GPS kann die Lage auf Tausendstel Minuten genau lokalisieren, der Schatz, der an dieser fast mystischen Panoramaplattform zu finden ist, sind Alpenrosen, die in den nächsten Tagen voll erblühen werden. Sie sollten allerdings gegen nichts in der Welt ausgetauscht werden. (Der Standard/rondo/10/7/2004)

Tipps: Einführungen in GPS-Orientierung: Globetrek. Die Bergsteigerschule des Alpenvereins. Tel.: 0512 / 59547-34, Fax: 051 / 575528; www.globetrek.at; globetrek@alpenverein.at. Die nächsten GPS-Seminare finden am 7. und 8. August (Modul 2), am 7. September (Modul 1) und am 31. Juli und 1. August (Modul 3) statt. ÖAV-Sektion Austria: austria@sektion.alpenverein.at; Händler: Garmin. GPS www.puls.co.at; www.gps-world.at. Österreichkarte: Austrian Map auf 2 CDs. Perspektivische Ansicht des gewünschten Ausschnitts. 3D-Betrachtung mit Rot-Grün-Brille. Markierte Wanderwege. Überspielbarkeit auf GPS mit Interfaced-Kabel. Literatur: Wolfgang Linke, Orientierung mit Karte, Kompass, GPS. Verlag BusseSeewald, Herford. 11. Aufl. 2003. Carola Felchner, Ferngesteuert. GPS für Rennradler. In: tour. Das Rennrad-Magazin, Nr. 7, Juli 2004, S. 144. Geocaching: Weltweit aktuelle elektronische Schnitzeljagd mit GPS unter www.geocaching.com, www.navicache.com, www.geocaching.de, www.geocache.at

Serie: Berg- und talwärts Von Horst Christoph
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