Khol weist Vorwürfe zurück: "Die Kritik rinnt an mir ab"

23. September 2004, 19:18
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Trauerrede verärgert auch SPÖ und Grüne - Glawischnig: "Ich hatte bei beiden Reden Khols großes Unbehagen"

Wien - "Die Kritik rinnt an mir ab." Er könne sie "nicht nachvollziehen", ging Nationalratspräsident Andreas Khol am Freitag auf die schweren Vorwürfe von SP-Altkanzler Franz Vranitzky ein.

Der ehemalige SPÖ-Politiker hatte Khol vorgehalten, er habe seine Trauerrede für den verstorbenen Präsidenten Thomas Klestil am Donnerstag im Parlament als eine "Mischung aus Partei- und Regierungspropaganda" angelegt und diese mit der Person Klestil verbunden, obwohl die VP "in den letzten Jahren in aller Öffentlichkeit zu Klestil deutlich auf Distanz gegangen ist".

Khol im Gespräch mit dem STANDARD: "Meine gute Erziehung verbietet, darauf zu reagieren." Er habe in der Rede die Erfolge Klestils herausgehoben, jene im Bereich der EU-Erweiterung oder dessen Bemühen um den Wirtschaftsstandort Österreich. Einige Erfolge Klestils seien auch in die Ära Franz Vranitzkys gefallen. Khol: "Will Vranitzky diese Erfolge nicht mit Klestil teilen?" Vielleicht mag die Kritik Vranitzkys auch daran gelegen sein, dass er sich "sichtlich nicht wohlgefühlt hat, dort, wo er gesessen hat", stichelt Khol. Nämlich in der drittletzten Reihe.

Andererseits: Ähnlich wie Vranitzky hat aber auch die Grünen-Vizechefin Eva Glawischnig die Kholschen Aussagen vernommen und interpretiert. Glawischnig im Gespräch mit dem STANDARD: "Ich hatte bei beiden Reden Khols großes Unbehagen." Dem neuen Bundespräsidenten Heinz Fischer "so etwas wie Maßregeln mitzugeben", sei befremdend. Und Khols Trauerrede für Thomas Klestil sei wie "eine Schüssel-Rede nach einer Bilanzkonferenz von Schwarz-Blau gewesen". Sie will in einem direkten Gespräch mit Khol die Sache bereden, denn: "Er schafft es noch immer nicht, zwischen der Rolle eines überparteilichen Nationalratspräsidenten und einem VP-Ersatzklubobmann zu unterscheiden."

Ebenso scharfe Worte fand SPÖ-Geschäftsführer Norbert Darabos: "Eine würdevolle Sitzung der Bundesversammlung wurde durch Khols unpassenden agitatorischen Eifer beinahe an den Rand eines Eklats gebracht", ärgerte er sich. (mue, pm/DER STANDARD, Printausgabe, 10.7.2004)

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