"Leicht beleidigt darf man nicht sein"

18. Juli 2004, 17:57
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Ernst Karl Plech im STANDARD-Gespräch über seine Tätigkeit als Aufsichtsrat der mittlerweile verkauften Wohnbaugesellschaften Buwog

Standard: Sind Sie mit dem Verkaufserlös der bundeseigenen Wohnbaugesellschaften an ein österreichisches Konsortium unter Führung von Raiffeisen, Städtischer und Immofinanz zufrieden?

Plech: Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Der Kaufpreis von rund einer Mrd. Euro für die insgesamt fünf Gesellschaften ist auch international hervorragend. Denn aufgrund des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes (WGG) können die neuen Eigentümer die Mieten nicht erhöhen; in Deutschland sind hingegen nur 40 Prozent der betroffenen Wohnungen mietrechtlich geschützt. Wir haben also ungleich schwierigere Voraussetzungen für den Investor gehabt.

Dass die Käufer Österreicher sind, freut mich und ist für mich ein Beweis, dass sich die österreichische Investmentszene auch gegen internationale Bewerber behaupten konnte. Dass es ein Konsortium war, macht den Deal noch attraktiver, weil die müssen in allen Bereichen an einem Strick ziehen.

Standard: Warum wurde die Wiener Eisenbahnergesellschaft WBG vorab an die Bawag um 55 Mio. Euro verkauft?

Plech: Die Bawag und die Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft der Eisenbahner haben ihr Interesse bekundet und einen hervorragenden Preis geboten. In der WBG sind sehr viele Wohnungen, die auf Baurechtsgründen der ÖBB errichtet wurden.

Standard: Hätte man das Ergebnis nicht schneller und billiger haben können?

Plech: Wir haben zwei Jahre gebraucht und sind schneller als die Berliner, die für einen ähnlichen Deal drei Jahre benötigten, die Italiener fast vier Jahre. Und ein Vergleich mit der Bundesimmobiliengesellschaft BIG stimmt nicht, weil deren Wohnungen dem Mietrecht und nicht dem strengen WGG unterliegen. Bei der BIG können in Zukunft befristete Mietverhältnisse gemacht werden, hier nicht. Und das Honorar für die Investmentbank Lehman von 8,2 Mio. Euro liegt um ein Prozent unter denen in anderen Ländern.

Standard: War dieses Ergebnis nur mit der britischen Investmentbank Lehman Brothers möglich oder hätte das ein anderer auch erzielt?

Plech: Es wäre nicht nur mit Lehman möglich gewesen. Aber Lehman hat sich als Bestbieter qualifiziert. Das Ergebnis wurde aber wesentlich erleichtert durch eine Investmentbank, die in der ganzen Welt ihre Kunden und Beziehungen hat.

Standard: Was erwarten Sie, werden die neuen Eigentümer mit den 62.000 Wohnungen machen, wie kann der Kaufpreis refinanziert werden?

Plech: Der refinanziert sich durch die Mieterträge und durch den Neubau. Allein die WAG hat in Linz 9000 Vormerkungen von Wohnungssuchenden. Ich nehme an, dass die Firmen in der Art weiter betrieben werden. Für die im Konsortium vertretenen Banken und Versicherungen gibt es eine Umwegrentabilität; sie können als neue Hauseigentümer ihre Produkte dort besser verkaufen. Außerdem gibt es Grundstücksreserven, die aber zum Teil noch nicht umgewidmet sind.

Standard: Wollen Sie im Aufsichtsrat bleiben?

Plech: Nein, ich werde meine Funktionen bei der WAG und Buwog nach dem Eigentumsübergang im Herbst zurücklegen. Ich bin mit Leib und Seele Makler und froh, mich wieder dieser Tätigkeit widmen zu können. Mein Sohn und mein Neffe arbeiten seit kurzem in meiner Kanzlei, die brauchen Unterstützung.

Standard: Welche Erfahrungen haben Sie in den vier Jahren in den Gesellschaften gemacht?

Plech: Mein zuvor kritischer Umgang mit gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften hat sich geändert. Ich erfuhr, dass diese Firmen im Interesse der Wohnungssuchenden wirklich Hervorragendes leisten. Ich habe weiters gelernt, dass man nicht leicht beleidigt sein darf. Es hat wegen mir sieben oder acht parlamentarische Anfragen gegeben, viele Presseartikel, die nicht immer sehr vornehm waren. Ich war aber auch den Umgang mit der Presse nicht gewohnt. Für mich war es hochinteressant, beim größten Immobiliendeal der Republik mitzuwirken.

Standard: Wie kommentieren Sie als Symphatisant die derzeitige Situation der FPÖ?

Plech: Ich betrachte sie aus der Entfernung sehr wehmütig, habe sehr viele Freunde dort, die viel Zeit ihres Lebens in den Aufbau dieser Partei investiert haben und jetzt vor den Trümmern stehen. Für mich ist das eine tragische Angelegenheit. Mein Verhältnis zu Finanzminister Karl-Heinz Grasser ist immer noch hervorragend, es herrscht ein Vertrauensverhältnis. (Claudia Ruff, Der Standard, Printausgabe, 09.07.2004)

  • Ernst Karl Plech> hat im Zuge seiner Tätigkeit als Aufsichtsrat der mittlerweile verkauften Wohnbaugesellschaften Buwog und WAG seine Meinung über gemeinnützige Wohnbauunternehmen ins Positive revidiert.
    foto: standard

    Ernst Karl Plech> hat im Zuge seiner Tätigkeit als Aufsichtsrat der mittlerweile verkauften Wohnbaugesellschaften Buwog und WAG seine Meinung über gemeinnützige Wohnbauunternehmen ins Positive revidiert.

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