Schadenfreude über "Shopping-Albanien"

14. Juli 2004, 11:20
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Outlet-Center streiten über Einkaufssonntag

Wien – Simon Jobling will sich bei Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, ÖGB und Wirtschaftskammer "ja fast bedanken". "Durch ihre Weigerung auf Kundenbedürfnisse zu reagieren und ein zeitgemäßes Ladenöffnungsgesetz zu beschließen, können wir den österreichischen Kunden ein einzigartiges Shoppingerlebnis bieten", sagt der Sprecher von Freeport, Betreiberfirma des Designer Outlet Centers bei Kleinhaugsdorf (NÖ).

25 Prozent des Umsatzes würden bei Freeport am Sonntag erzielt. Möglich ist dies, weil sich das Outlet Center unmittelbar hinter der Grenze auf tschechischem Staatsgebiet befindet, wo Ladenschluss ein Fremdwort ist. Jobling wehrt sich konsequenterweise gegen die neu aufgeflammte Debatte über den Einkaufssonntag in "Shopping- Albanien", gemeint ist Österreich. Die eingeschränkten Öffnungszeiten in Österreich bescherten dem Outlet Center "Umsatzzahlen, von denen es sonst nur träumen könnte".

Ganz anders die Sicht von Thomas Reichenauer, Manager des McArthurGlen Designer Outlets im burgendländischen Parndorf. "Wir sind mit den bestehenden Öffnungszeiten eigentlich zufrieden. Wir haben zweistellige Umsatzzuwachsraten. Der Sonntag ist bei uns kein Thema."

Nicht einmal längere Öffnungszeiten unter der Woche wünscht sich Reichenauer. Von den im Burgenland möglichen 66 Stunden pro Woche nutzt Parndorf 56,5 Stunden. Um 19.00 Uhr ist "Sperrstunde", samstags um 18.00 Uhr.

Weniger Urlaub?

In Deutschland geht zwischenzeitlich die Debatte über die Arbeitszeitverlängerung weiter. Industrie, aber auch Groß- und Außenhandel fordern nun die generelle Streichung einer Urlaubswoche. Deutschland liegt laut OECD- Angaben bei der durchschnittlichen Jahresarbeitszeit mit 1446 Stunden unter den Industrieländern an drittletzter Stelle. Nur in Norwegen und den Niederlanden arbeiten die Beschäftigten kürzer. Zum Vergleich: Auch Österreich liegt mit 1550 Jahresarbeitsstunden im unteren Drittel, am längsten arbeiten die Tschechen mit durchschnittlich 1972 Stunden im Jahr.

Übrigens: Im neuen – österreichischen – Kollektivvertrag für Sozial- und Gesundheitsberufe wurde die gesetzlich erlaubte Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche auf 38 Stunden reduziert. (Michael Bachner, Der Standard, Printausgabe, 09.07.2004)

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