Radonprojekt mit Überraschungen

14. Juli 2004, 20:12
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In drei bis fünf Prozent aller Wohngebiete wurde der Richtwert von 400 Becquerel pro Kubikmeter überschritten - mit Grafik und Stichwort

Wien – Kein Grund zur Panik, aber doch mancherorts Anlass für Vorsicht. Das ist das Resümee von Harry Friedmann, Professor am Institut für Isotopenforschung und Kernphysik der Universität Wien, nach Abschluss des über zehn Jahre laufenden Österreichischen Radonprojekts (ÖNRAP). Im Rahmen des Projekts wurde österreichweit 40.000 Messungen durchgeführt.

Richtwert überschritten

"In drei bis fünf Prozent aller Wohngebiete dürfte der Richtwert von 400 Becquerel pro Kubikmeter überschritten sein", sagte Friedmann. Besonders betroffen sind – erwartungsgemäß – Granit- und Gneisregionen etwa des Wald- und Mühlviertels. Das Projekt brachte aber auch einige Überraschungen, so zeigten sich Gebiete des oberösterreichischen Alpenvorlandes als stärker mit Radon belastet. Dabei ist nicht immer der unmittelbare Untergrund ausschlaggebend. So kann vor allem belastetes Feinmaterial auch verschwemmt werden und dann lokal zu hohen Radon-Konzentrationen führen.

Wenig anfällig sind dagegen Regionen mit Sedimentgesteinen wie etwa das Wiener Becken.

Friedmann betonte, dass eine hohe durchschnittliche Radon-Konzentration selbst auf Gemeindeebene noch nichts über die Verhältnisse im eigenen Keller aussagt. "Es hat sich gezeigt, dass die Verhältnisse wirklich von Haus zu Haus völlig unterschiedlich sein können. Als Quelle für das radioaktive Edelgas kommt zu 95 bis 98 Prozent die Geologie des Untergrundes in Frage. Daneben können Industrieabfälle – zum Beispiel Industriegips – zu Radon-Schleudern werden.

Größere Mengen auch in Wasser und Erdgas

Aber auch Wasser und Erdgas können das Gas in größeren Mengen enthalten. Dabei kommt das Gas nicht bereits mit Radon angereichert durch die Pipeline, vielmehr kann es beim Zwischenspeichern etwa in alten Erdgasfeldern bei Aderklaa südlich von Wien mit Radon angereichert werden. Nicht zuletzt können alte Mineraliensammlungen, die etwa Uran-hältige Gesteine enthalten, die Luft in Räumen oder Gebäuden mit Radon verseuchen.

Gegen Radon aus dem Untergrund ist ein Gebäude relativ einfach abzuschirmen. Wichtig sind eine gasdichte Abschirmung des Kellers gegen die Umgebung hin sowie eine möglichst dichte Türe zwischen Keller und Wohnräumen. Auch eine effektive Lüftung des Kellers kann den Radon-Gehalt der Luft erheblich reduzieren. Besonders einfach ist Radon-sicheres Bauen bei der Neuerrichtung von Gebäuden. Durch entsprechende Information könnten die zusätzlichen Kosten mehr oder weniger bei Null gehalten werden, sagte Friedmann.

Nur ein Richtwert

Der Grenzwert von 400 Becquerel pro Kubikmeter für bestehende Gebäude und 200 Bequerel für Neubauten ist lediglich ein Richtwert, gesetzliche Höchstwerte gibt es nicht. Untersuchungen bieten einige Labors in Österreich, darunter die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), die Austrian Research Centers (ARC) Seibersdorf sowie einige Uni-Institute.

Studien zur Gesundheit

Zwei epidemiologische Studien des deutschen Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit (GSF) in Neuherberg bestätigen einen Zusammenhang zwischen Radon in Wohnhäusern und Lungenkrebs. Es gebe "deutliche Hinweise auf einen Anstieg des Lungenkrebsrisikos in Abhängigkeit von der Höhe der Radonkonzentration".

Insgesamt wurden im Rahmen der Analyse 2.963 Lungenkrebspatienten und eine Bevölkerungsstichprobe von 4.232 nicht an Lungenkrebs erkrankten Kontrollpersonen untersucht. In mehr als 9.000 Wohnungen, die von den Studienteilnehmern entweder zum Zeitpunkt der Studie oder früher bewohnt worden waren, wurde die Höhe der Radonkonzentration gemessen. Die mittlere Konzentration liegt im Studiengebiet West bei 50 Becquerel pro Kubikmeter. Im Studiengebiet Ost, das Gebiete mit bekanntermaßen höheren Radonkonzentrationen in den Bundesländern Thüringen und Sachsen umfasst, beträgt die mittlere Radonkonzentration 75 Becquerel. In der Risikoanalyse wurde die Radonkonzentration in den vergangenen fünf bis 35 Jahren untersucht und dabei das lebenslange Rauchverhalten, der bei weitem bedeutsamste Risikofaktor für Lungenkrebs, sowie weitere Faktoren berücksichtigt.

Für die höchste Radonkategorie (140-3.000 Becquerel pro Kubikmeter, Mittelwert 252) ergibt sich ein im Vergleich zur Referenzkategorie (0-50 Becquerel pro Kubikmeter, Mittelwert 38) um 40 Prozent erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Das Lungenkrebsrisiko steigt pro 100 Becquerel pro Kubikmeter um zehn Prozent an, was einer Verdoppelung bei einer Radonkonzentration von 1.000 Becquerel entspricht; letzterer Zusammenhang ist allerdings "nur grenzwertig signifikant", räumen die Autoren ein. (APA)

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