Wann belohnt man sich mit Schokolade?

14. Juli 2004, 13:01
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"Warum essen wir weiter, wenn wir uns satt fühlen?" - Die Frage, wie Dopamin und Suchtverhalten zusammenhängen, stellt sich jetzt ein Grazer Forscherteam

Graz - "Warum essen wir weiter, wenn wir uns schon satt fühlen?" - Eine Untersuchung am Institut für Pathophysiologie der Medizinischen Universität Graz beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Schokoladekonsum und dem körpereigenen "Belohnungssystem". Im Besonderen ist dabei der Neurotransmitter Dopamin von Interesse, der Motorik, kognitive Leistungen und das Suchtverhalten beeinflusst.

"Ziel der Untersuchungen ist es unter anderem, verschiedene Sättigungsmechanismen aufzuzeigen und dabei die Rolle des so genannten dopaminergen Systems herauszuarbeiten", erklärte die damit befasste ernährungswissenschaftliche Betreuerin Sandra Wallner. Dopamin ist Teil jenes funktionellen Systems im Gehirn, das nach Befriedigung eines Bedürfnisses, wie zum Beispiel das Erreichen eines selbst gesteckten Ziels, aber auch einfach bei Essen oder Sexualität mit Wohlbefinden belohnt. Dieses "Belohnungssystem" wird direkt durch verschiedene Genuss- und Suchtmittel stimuliert und spielt somit bei Suchterkrankungen und Ernährung eine zentrale Rolle.

Erhebung der "Schokoladegenusssucht"

In der Untersuchungsreihe werden Personen in ihrem physischen und psychischen Ansprechen auf Schokoladeverzehr getestet: Acht freiwillige gesunde Testpersonen dürfen nach genauer Erhebung ihrer Essgewohnheiten gegen Entgelt ihrer "Schokoladegenusssucht" freien Lauf lassen und müssen danach ihre physische und geistige Fitness unter Beweis stellen.

Gleichzeitig werden geringe Mengen Blut abgenommen, um Veränderungen jener Blutparameter zu verfolgen, die das Sättigungsgefühl steuern. "Die Bildung von Dopaminrezeptoren in weißen Blutkörperchen ist wichtigster Untersuchungsparameter. Befunde bei zahlreichen neuropsychiatrischen Störungen und eigene Resultate über verminderte Dopaminrezeptoren bei Alkoholikern, Heroinabhängigen und Rauchern legen dies nahe", erläuterte Adelheid Kresse, die für molekularbiologische Analysen verantwortlich ist.

Wirkmechanismen von Dopaminrezeptoren

Dieser neue Forschungsansatz wurde unter der Leitung von Christoph Czermak in Zusammenarbeit mit Universitätsprofessor Peter M. Liebmann von der Addiction Research Society (ARS) erarbeitet. Förderungsmittel wurden vom FWF (Fond für wissenschaftliche Forschung) und der Drogenrehabilitationseinrichtung "Grüner Kreis" zur Verfügung gestellt.

Die Wissenschaftler erhoffen sich genauere Informationen über die Wirkmechanismen der Dopaminrezeptoren im Blut einerseits und das dopaminerge System bei der Abhängigkeitserkrankung und Fehlernährung andererseits. Diese Erkenntnisse sollen langfristig zu verbesserten Diagnose- und Therapieinstrumenten führen. Erste Ergebnisse des zweijährigen Projektes werden Ende 2005 vorliegen. (Apa)

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