Im Wiener AKH kehrte wieder Ruhe ein

9. Juli 2004, 15:17
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Krepler: "tiefe Betroffenheit" - Ärztlicher Direktor sieht keine Kritik an AKH-Öffentlichkeitsarbeit bei Klestil-Behandlung

Wien - Im Wiener AKH kehrte nach dem Ableben von Bundespräsident Thomas Klestil am Dienstag langsam wieder Ruhe und tägliche Routine ein. Im Mehrzwecksaal des AKH, noch am Dienstag Arbeitsplatz hektischer Kamerateams und Journalisten, wurde am Donnerstag bereits wieder eine Veranstaltung des Krankenhauses abgehalten. Der ärztliche Direktor, Reinhard Krepler, berichtete im APA-Gespräch von sehr emotionalen Stunden während der letztendlich aussichtslosen Behandlung Klestils.

"Wir haben bis zur letzten Minute gekämpft", erklärte Krepler. Bis dahin habe man "keine Gewissheit" gehabt. In der Intensivmedizin sei es immer der Normalfall, "dass das Schicksal auf des Messers Schneide ist. Jeder Ausgang ist unerwartet."

Dass es sich bei jenem Patienten, der am Montag nach zwei Herzstillständen in die Intensivabteilung des AKH gebracht wurde, um den Bundespräsidenten handelte, hat sich laut Krepler stark in der Stimmung auf der Station bemerkbar gemacht: Jene Mitarbeiter des Krankenhauses, die an der Behandlung Klestils beteiligt waren, seien sehr bewegt gewesen, schilderte er: "Was man in den Gesichtern gesehen hat, war eine weit über die normale Tätigkeit hinausgehende Betroffenheit: Sehr bedrückt, sehr traurig. Auch ich war persönlich tief getroffen."

Die Emotionen erfassten auch die beiden leitenden behandelnden Ärzte, schilderte er. Gottfried Locker, der Oberarzt der Intensivstation, sei vom Tod des Bundespräsidenten ergriffen gewesen: "Er hat deshalb bei der letzten Pressemitteilung auch kein Wort mehr gesagt." Auch der Leiter des Ärzteteams, Christoph Zielinski sei "tief bewegt gewesen."

Kein Unterschied

Der Betrieb auf der Station habe sich nicht von der Behandlung eines normalen Patienten unterschieden, "außer dass alles in der Öffentlichkeit sichtbar war", betonte Krepler. Dass das AKH mit seiner Informationspolitik die ärztliche Schweigepflicht verletzt habe, wies er zurück: Bereits beim Auftauchen Klestils spezieller Form Lungenentzündung - dabei handelte es sich um eine Autoimmunerkrankung - im Jahr 1996, habe man gemeinsam mit dem Staatsoberhaupt festgelegt, "welche Informationen nach außen preisgegeben werden". In einem anderen Fall hätte man nichts durchsickern lassen, betonte der ärztliche Direktor: "Auch ein prominenter Patient hat ein Recht auf seine Privatsphäre." Seine eigene Rolle in den vergangenen Tagen habe darin bestanden, dafür zu sorgen, dass exakt den Vorstellungen des Bundespräsidenten entsprochen wird", so Krepler.

Dementsprechend habe sich die Kritik über die Verletzung der Schweigepflicht etwa durch Nationalratspräsident Andreas Khol (V) nicht gegen das Krankenhaus gerichtet, stellte er klar: "Die Öffentlichkeitsarbeit des AKH ist von keiner Stelle kritisiert worden." (APA)

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