Deutsche Buchbranche bleibt schrumpfend

12. Juli 2004, 22:08
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2003 zum dritten Mal in Folge Minus - Konsumschwäche bei Titelflut

Frankfurt/Main - Die deutsche Buchbranche hat 2003 im dritten Jahr in Folge sinkende Umsätze hinnehmen müssen. Ob sich der Trend wieder in Plus umkehre, sei noch nicht genau abzuschätzen, sagte Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, am Donnerstag in Frankfurt. "Wir haben es mit einer generellen Konsumschwäche bei den Käufern zu tun, nicht mit einem speziellen Problem des Buchhandels oder des Lesens." Er bekräftigte damit seine Analyse aus dem vergangenen Jahr. Die Erlöse sanken laut den Schätzungen um 1,7 Prozent auf 9,07 Milliarden Euro.

Sensiblere Verbraucher

Wie in anderen Handelsbranchen seien die Verbraucher preissensibler geworden. "Wir sind da keine Ausnahme", sagte Jürgen Bach, Vorsitzender des Verleger-Ausschusses im Börsenverein. Die Verlage reagierten auf die Entwicklung, indem sie zum Beispiel einige Bücher gleich als Taschenbuch auf den Markt brächten und nicht erst in gebundener Ausgabe anböten. Die Umsätze der deutschen Buchverlage gingen laut Börsenverein 2003 um 1,1 Prozent zurück. Dies sei aber nur zu einem geringen Teil auf den Umsatz mit Büchern zurückzuführen. Deutlich stärker sanken demnach etwa die Anzeigenerlöse.

Trotz der schlechten wirtschaftlichen Aussichten haben die Verlage ihre Titelproduktion insgesamt jedoch nicht gedrosselt, im Gegenteil: Die Zahl der neuen Titel (Erstauflagen) stieg im vergangenen Jahr um knapp drei Prozent weiter auf 61.538 an. Zu den Gewinnern zählte die Belletristik, die weiterhin den größten Anteil an den Neuauflagen hat.

Vier Prozent online

Der Versandhandel legte beim Umsatz zwar leicht zu (plus 1,5 Prozent auf 852 Mio. Euro), wofür der Online-Buchversand, auf den etwas weniger als die Hälfte des Versandhandels entfällt, mit einem Umsatzplus von rund zehn Prozent verantwortlich ist. Doch der klassische Buchhandel verzeichnete bei einem Umsatz von 5,13 Milliarden Euro Einbußen von minus 2,5 Prozent. Gemessen am Gesamtumsatz des Buchhandels können die Online-Anbieter aber nach wie vor nicht mit den stationären Buchhandlungen mithalten: Ihr Marktanteil lag den Angaben zufolge 2003 bei rund 4 Prozent.

Ihre Hoffnungen setzt die Branche wie schon in den vergangenen Jahren auf Zugpferde wie "Harry Potter"; der sechste Teil der Reihe soll 2005 erscheinen. Als Exportschlager erweisen sich vor allem deutsche Kinder- und Jugendbücher. Am beliebtesten war deutsche Literatur 2003 wieder in China und Korea, aber auch für die Übersetzung ins Albanische oder Galizische wurden Lizenzen vergeben. (APA/dpa)

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