Niederlande: Sterbehilfe mit strengeren Kontrollen

9. Juli 2004, 09:27
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Bei Regelverstößen Disziplinarmaßnahmen und Berufsverbote

Den Haag - Die niederländische Gesundheits-Staatssekretärin Clemence Ross will Ärzte, die Sterbehilfe praktizieren, strenger kontrollieren.

Strittige Fälle

Geplant sei, dass die Gesundheitsbehörden bei Regelverstößen Disziplinarmaßnahmen verhängen, wie Kathpress meldet. Dies war einem Schreiben der Staatssekretärin an das niederländische Parlament, das am Donnerstag bekannt wurde, zu entnehmen. Die derzeitige Regelung sieht vor, dass die Staatsanwaltschaft strittige Fälle überprüft, doch wurde bisher in keinem Fall Anklage erhoben.

Berufsverbote

Die Gesundheits-Staatssekretärin strebt an, dass die Gesundheitsbehörden bei Regelverstößen Rügen oder zeitweilige Berufsverbote verhängen. Dies geschehe derzeit aus Personalmangel praktisch nie. Ross plant weitere Maßnahmen, damit die Regeln für die Straffreiheit aktiver Sterbehilfe genau eingehalten werden. Dazu gehöre, die Ergebnisse der Prüfungskommissionen in anonymisierter Form zu veröffentlichen.

Unklare Statisik

Auch will sie untersuchen lassen, warum die Zahl der gemeldeten Fälle von Sterbehilfe seit mehreren Jahren rückläufig ist, wo sie doch laut einer von ihr beauftragten Studie tatsächlich doppelt so hoch seien.

Sterbehilfe seit April 2002 erlaubt

Sterbehilfe ist in den Niederlanden seit April 2002 unter Auflagen erlaubt: wenn ein Patient unerträglich leidet, aussichtslos krank ist und mehrfach ausdrücklich darum gebeten hat. Von einem zweiten Arzt muss eine übereinstimmende Entscheidung vorliegen. Die Staatsanwaltschaft wird nur bei Zweifeln an der ärztlichen Entscheidung angerufen. Sollte sich dabei herausstellen, dass der Arzt gegen die Regeln verstoßen hat, drohen ihm bis zu zwölf Jahre Haft. (APA)

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