Mehr als ein Monatsgehalt

8. Juli 2004, 19:00
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Der Führerschein bringt für junge Leute gerade am Land ein Stück Unabhängigkeit. Die Freiheit ist teuer erkauft: An den Fahrschulpreisen wird Kritik laut

"Die ohnehin schon saftigen Preise für den B-Führerschein sind seit dem Vorjahr auf einem hohen Niveau festgefahren", kritisiert Maria Kubitschek, Leiterin des Wirtschaftsbereiches der Arbeiterkammer (AK).

Bundesweiter Fahrschultest

Eine bundesweite AK Erhebung zeigt: Im Durchschnitt kostet der Mehrphasenführerschein 1.449 Euro, hinzu kommen noch die Kosten für die Lernunterlagen, Arzt, Erste-Hilfe-Kurs und Behördengebühren, insgesamt noch mal rund 200 Euro. Damit ist der begehrte Schein immer noch teurer als ein durchschnittlicher Netto-Monatsverdienst (1.120 Euro). Und ein Lehrling muss für das rosa Papier sogar fast vier Monate arbeiten. Wer durchfliegt, muss noch um einiges mehr zahlen.

Norbert Hausherr, Obmann des Fachverbandes der Fahrschulen Österreich, hält nichts von den Kalkulationen der AK. "Wer den Führerschein billiger macht, spart an der Qualität. Das ist gefährlich - eine fundierte Ausbildung rettet Leben." Konter von AK-Verkehrsjurist Richard Ruziczka: "Preisminderung bedeutet nicht Qualitätsverlust. Wir wollen, dass die Preisgestaltung übersichtlich, nachvollziehbar und fair wird."

Preisabsprachen statt Wettbewerb?

Als weiteres Übel vermutet die AK Preisabsprachen in einzelnen Ländern. "So verlangen zum Beispiel in Villach vier von fünf Fahrschulen für die Gesamtausbildung haargenau den selben Preis", sagt Kubitschek. Die AK hat der Bundeswettbewerbsbehörde den Sachverhalt bereits angezeigt und eine wettbewerbsrechtliche Prüfung verlangt. "Es geht um ein ähnliches Produkt, daher auch die ähnlichen Preise", entgegnet Hausherr vom Fachverband der Fahrschulen Österreich. "In jeder anderen Branche ist es auch so, dass sich die einzelnen Unternehmen preislich aneinander orientieren."

Umstrittenes Modell

Der Fachverband hat ein Zwei-Stufen-Modell entwickelt, das aus einer verpflichtenden Grundausbildung besteht und die Anzahl der Fahrstunden flexibel gestaltet. Hausherr: "Wer schneller lernt, zahlt auch weniger." Eine Idee, für die sich die AK überhaupt nicht begeistern kann. "Damit liegt es im alleinigen Ermessen der Fahrschule und der Fahrlehrer, wie viele Stunden der Schüler nehmen muss. Wenn der Ausbildner weitere Fahrstunden anordnet, muss der Schüler das befolgen und es kommen weitere Kosten auf ihn zu", kritisiert Richard Ruziczka.

Aus dem Verkehrsministerium wurde trotz der geäußerten Bedenken schon Zustimmung für das Modell laut. "Es ist fix und fertig und wartet nur noch auf die Anwendung", betont Norbert Hausherr.

Preisvergleich lohnt sich

Egal, welcher Seite im Streit um die Führerscheinpreise man Glauben schenkt: Fakt ist, dass der begehrte rosa Schein nicht gerade billig ist. Da Mobilität in der heutigen Arbeitswelt Grundvoraussetzung ist, kommt kaum ein Jugendlicher um die finanzielle Belastung herum.

Lohnend ist auf jeden Fall ein Preisvergleich, da Unterschiede von über 100 Euro für die gesamte Ausbildung keine Seltenheit sind. Außerdem sollten sich Fahrschüler überlegen, ob sie nicht die private "Übungsfahrt" mit einem Teilobligatorium in der Fahrschule (acht Theorie- und acht Praxisstunden) und sonst gänzlich privater Ausbildung machen wollen. Dadurch können durchschnittlich 400 Euro gespart werden. (az)

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    Die AK untersuchte bundesweit die Preise der Fahrschulen. Ihr Ergebnis: Zu teuer, zu undurchsichtig

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