Georgien: Rebellen in Südosetien entwaffnen georgische Soldaten

8. Juli 2004, 19:24
posten

Anschluss an Nordossetien angestrebt - Tiflis nimmt von Militäraktion Abstand

Tiflis/Zchinwali - Die Spannungen zwischen der Zentralregierung Georgiens und der abtrünnigen Teilrepublik Südossetien haben sich am Donnerstag weiter verschärft. Bei Zusammenstößen zwischen georgischen Truppen und südossetischen Verbänden wurden zwei Georgier verletzt, wie die Regierung in Tiflis mitteilte. Kurz zuvor seien mehrere georgische Soldaten in Südossetien festgenommen worden. Die georgische Führung unterrichtete unterdessen die russische Regierung, dass keine Militäraktion auf dem Territorium Südossetiens geplant sei.

Georgische Soldaten festgenommen

Südossetische Truppen hätten ein von Georgiern bewohntes Dorf nach Waffen durchsucht und dort stationierte georgische Soldaten entwaffnet und festgenommen, berichtete das Kabinettsmitglied Georgi Chaindrawa dem Fernsehsender Rustawi-2. Er drohte eine "angemessene Antwort" an, warnte aber vor einer militärischen Aktion. Am Mittwoch hatten die georgischen Behörden in Südossetien einen russischen Waffenkonvoi abgefangen.

Kampf um Unabhängigkeit

Südossetien mit einer Fläche von 3.900 qkm und 125.000 Einwohnern kämpft seit Anfang der neunziger Jahre für seine Unabhängigkeit von Georgien und will sich mit Nordossetien (Alanien), das zu Russland gehört, zusammenschließen. 1992 zogen sich die georgischen Truppen unter dem Druck Russlands aus Südossetien zurück. Obwohl sie damit faktisch unter russischem Protektorat steht, gilt die Region staatsrechtlich als Teil Georgiens. Der neue georgische Präsident Michail Saakaschwili will die Region ebenso wie die abtrünnige Provinz Abchasien wieder unter die Kontrolle der Zentralgewalt bringen. Er hat wiederholt erklärt, dieses Ziel friedlich erreichen zu wollen.

Tiflis nimmt von Militäraktionen "Abstand"

Der Vorsitzende der russischen Staatsduma, Boris Gryslow, gab am Donnerstag vor Journalisten bekannt, dass ihm seine georgische Amtskollegin Nino Burdschanadse beim jüngsten Treffen der OSZE-Parlamentarier in Edinburgh versichert habe, dass Tiflis von Militäraktionen Abstand nehmen werde.

Die Osseten sind teils sunnitische Moslems, teils orthodoxe Christen und stammen von den indogermanischen Alanen ab, die im Altertum ein Gebiet zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer bewohnten und von Byzanz aus christianisiert wurden. Ein Teil von ihnen wanderte bis nach Spanien (Katalonien = Got-Alanien). Größere Gruppen von Osseten leben in der Republik Kabardino-Balkarien. (APA/AP/ITAR-TASS)

Share if you care.