Heinz Fischer als Bundespräsident angelobt

8. Juli 2004, 19:01
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Neues Staatsoberhaupt kündigt unparteiische Amtsführung an - Schüssel bietet "vertrauensvolle Zusammenarbeit" an - Auch Präsidenten-Witwe Margot Klestil-Löffler unter den Gästen

Wien - Heinz Fischer ist am Donnerstag zum achten Bundespräsidenten der Zweiten Republik angelobt worden. Überschattet wurde die Zeremonie vom Tod seines Amtsvorgängers Thomas Klestil. Das Zeremoniell im historischen Sitzungssaal des Parlaments fiel deshalb bescheidener aus, als ursprünglich geplant. Lediglich zum Einzug des neuen Staatsoberhaupts ertönte eine Fanfare. Direkt im Anschluss an die Angelobung gedachten der Nationalrat und der Bundesrat in einer Trauersitzung des verstorbenen Präsidenten Klestil.

Ohne Zusatz

Kurz vor halb elf Uhr sprach Fischer vor der Bundesversammlung den Amtseid: "Ich gelobe, dass ich die Verfassung und alle Gesetze der Republik getreulich beobachten und meine Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen werde." Auf den religiösen Zusatz "So wahr mir Gott helfe" seiner Amtsvorgänger Rudolf Kirchschläger, Kurt Waldheim und Thomas Klestil verzichtete der bekennende Agnostiker Fischer.

Auch Margot Klestil-Löffler unter Gästen

Unter den rund 1.000 Gästen im Reichsratssitzungssaal befand sich neben der Regierung und den Landeshauptleuten unter anderem Fischers einzig noch lebender Vorgänger Kurt Waldheim. Die Witwe des vor zwei Tagen verstorbenen Klestil, Margot Klestil-Löffler, wohnte der Zeremonie gemeinsam mit Margit Fischer in einer Ehrenloge bei.

"Unparteiische Amtsführung"

In seiner Rede gelobte Fischer eine unparteiische Amtsführung. "Ich kann und werde meine Herkunft aus der österreichischen Sozialdemokratie nicht verleugnen und den Idealen meiner Jugend nicht untreu werden; aber ich kann und werde jede Parteilichkeit hinter mir lassen", sagte Fischer, der seine Parteimitgliedschaft zuvor ruhend gestellt hatte.

"Fairness"

Gleichzeitig legte das neue Staatsoberhaupt ein Plädoyer für Fairness im politischen Wettbewerb und soziale Gerechtigkeit ab. "Ich bejahe ausdrücklich die Notwendigkeit von Reformen", so Fischer. "Aber die Bemühungen um zukunftstaugliche Veränderung der Gesellschaft einerseits und die Bemühungen um Gerechtigkeit andererseits müssen gleich stark entwickelt sein." Zum Abschluss gab es für Fischer Standing Ovations der linken, und nach kurzem Zögern auch der rechten Saalhälfte.

Schüssel bietet Zusammenarbeit an

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) bot dem Bundespräsidenten die "vertrauensvolle Zusammenarbeit" der Regierung an. Nationalratspräsident Andreas Khol (V) betonte, er vertraue darauf, dass Fischer "über den Parteien und über der Tagespolitik" stehen werde. "Auch in den nächsten sechs Jahren müssen wir auf gesellschaftliche Veränderungen offen und mutig zugehen", gab Khol dem neuen Staatsoberhaupt mit auf den Weg. (APA)

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    Heinz Fischer ist neuer Bundespräsident. Die Angelobung war überschattet vom Tod seines Vorgängers Thomas Klestil.

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    Heinz Fischer bei seiner Angelobung

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