Zweifel an Rechtmäßigkeit des US-Transfers irakischen Atommaterials

9. Juli 2004, 15:49
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UNO-Kreise kritisieren amerikanisches Vorgehen - IAEO offenbar vorab informiert

New York - Die Vereinten Nationen zweifeln offenbar an der Rechtmäßigkeit des Abtransports von Atommaterial aus dem Irak in die USA. Das verlautete am Mittwochabend aus UNO-Kreisen. Die USA hätten die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) zwar über ihre Absicht informiert, 1,8 Tonnen schwach angereichertes Uran und rund 1.000 hoch radioaktive Gegenstände aus dem Irak auszufliegen, sagte IAEO-Vertreter Gustavo Zlauvinen in New York. Die USA hätten die Organisation aber nicht um Erlaubnis gebeten.

In UNO-Kreisen hieß es, es bestünden Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit des amerikanischen Vorgehens. Das Nuklearmaterial, das in der Atomanlage Tuwaitha lagerte, gehöre dem Irak und unterstehe der Kontrolle der IAEO. Paul Longsworth, ein hochrangiger Beamter der US-Atomaufsichtsbehörde, erklärte hingegen, die IAEO habe keinerlei Einwände gegen die Ausfuhr des Atommaterials erhoben.

Ein Schreiben von IAEO-Generaldirektor Mohammed El Baradei an den Weltsicherheitsrat, das ebenfalls am Mittwochabend bekannt wurde, scheint dies zu bestätigen. El Baradei erklärt darin, Washington habe der IAEO am 19. Juni 2003 mitgeteilt, dass aus Sicherheitsgründen Atommaterial aus Tuwaitha in die USA gebracht werden sollte. Die IAEO habe dies zur Kenntnis genommen und "lediglich eine Stellungnahme zu den Kontrollanforderungen der Behörde", abgegeben, schreibt El Baradei. Am 30. Juni habe die US-Regierung die IAEO dann darüber informiert, dass 1,8 Tonnen schwach angereichertes Uran und 1.000 hoch radioaktive Gegenstände am 23. Juni aus dem Irak abtransportiert worden seien.

Longsworth erklärte, die USA hätten lediglich die Aufbewahrung des Materials übernommen. "Wir haben die Erlaubnis der irakischen Regierung, das aus dem Land zu schaffen", sagte er. Das US-Energieministerium hatte den Abtransport am Dienstagabend als großen Erfolg bezeichnet, weil dadurch "potenziell gefährliches Atommaterial außer Reichweite von Terroristen" gebracht worden sei.

Der irakische Ministerpräsident Iyad Allawi erklärte am Donnerstag, das von den USA abtransportierte Material hätte von Terroristen zum Bau einer so genannten schmutzigen Bombe missbraucht werden können. Auch hätte es eine künftige irakische Regierung für die Entwicklung von Atomwaffen nutzen können. Dies sei aber nicht wünschenswert, sagte Allawi.

Das einst von Saddam Hussein begonnene Atomwaffenprogramm solle nicht wieder aufgenommen werden, betonte Allawi. "Der Irak hat weder die Absicht noch den Wunsch, diese Programme in der Zukunft wieder aufzunehmen. Diese Materialien, die potenzielle Waffen für Massenmord sind, sind in unserem Land nicht willkommen, und ihre Herstellung ist inakzeptabel", sagte der Interims-Regierungschef.

Das Atomwaffenprogramm des irakischen Ex-Präsidenten war 1991 mit dem ersten Golfkrieg gestoppt worden. Die USA verdächtigten Saddam Hussein jedoch, dieses heimlich weiterverfolgt zu haben. Dafür fanden sich nach dem Sturz des Machthabers im Vorjahr trotz intensiver Suche allerdings keine Beweise. (APA/AP)

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