Millionen Menschen könnten verseuchte Polio-Impfung erhalten haben

14. Juli 2004, 13:01
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Ehemalige Sowjetunion muss mangelhafte Hygiene-Standards verantworten - Betroffene von Europa bis Japan

London - Die Sowjetunion hat nach Erkenntnissen eines US-Wissenschafters bis 1981 Ampullen mit verseuchtem Impfstoff gegen Kinderlähmung ausgeliefert und damit die Patienten einer Krebsgefahr ausgesetzt. Die Polio-Impfungen enthielten das bei Rhesus-Affen verbreitete Virus SV 40, das nach neuesten Erkenntnissen Krebs hervorrufen könne, heißt es in der jüngsten Ausgabe des britischen Wissenschaftsmagazins "New Scientist".

Wegen der mangelhaften Hygiene-Standards sei dieses Virus nur in 95 Prozent der Impf-Dosen der Sowjetunion eliminiert worden. Zwischen 1963 und 1981 seien damit mehrere hundert Millionen Menschen, vor allem im damaligen Ostblock, aber auch in China, Japan und mehreren afrikanischen Staaten möglicherweise der Gefahr einer Verseuchung durch Polio-Impfungen ausgesetzt worden.

Konsequenzen noch umstritten

Nach der Entdeckung des Impfstoffs gegen Kinderlähmung im Jahr 1955 wurden in der Pharma-Industrie Rhesus-Affen genutzt, um diesen Stoff in großen Mengen herzustellen. 1960 wurde bei den Affen das Virus festgestellt. Umgehend setzten Bemühungen ein, die Polio-Impfungen davon freizuhalten. Der Virus-Spezialist Michele Carbone vom Medizinischen Zentrum der Loyola-Universität in Chicago stellte jedoch fest, dass dieses Virus auch in den folgenden Jahrzehnten in zwei von drei Polio-Impfungen aus der Sowjetunion enthalten war. Daraufhin überprüfte Carbone die in der Sowjetunion übliche Methode, den SV40-Virus mit Hilfe von Magnesiumchlorid unschädlich zu machen. Er stellte fest, dass dieses Vorgehen nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent wirksam war. Erst seit 1981 nutzte die Sowjetunion Polio-Impfungen, die den Standards der Weltgesundheitsorganisation entsprachen.

Die Ansichten über die Gefahren des SV40-Virus gehen auseinander. Das US-Zentrum für die Kontrolle von Krankheiten (CDC) stellte fest, dass dieses Virus mit bestimmten Krebsformen zusammen auftritt. Allerdings sei kein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang bewiesen. Carbone vertritt jedoch schon seit zehn Jahren die Auffassung, SV40 löse eine tödliche Form von Lungenkrebs aus. Die US-Gesundheitsbehörde FDA unterstützt in verschiedenen anhängigen Prozessen die Ansicht, US-Bürger seien durch Impfstoffe mit SV40-Viren an Krebs erkrankt. (APA)

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