Zu schön um wahr zu sein: Abnehmen durch Hormone

12. Juli 2004, 14:23
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Frühere Erfolgsberichte über "Sättigungshormon" PYY(3-36) durch neue Studie nicht bestätigt

Potsdam - Ein vor zwei Jahren von Wissenschaftern als Durchbruch gegen Fettleibigkeit gefeiertes Darmhormon ist möglicherweise wirkungslos. Wissenschafter des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke veröffentlichen in der neuesten Ausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins "Nature" Forschungsergebnisse, die damalige Erfolgsberichte über das Sättigungshormon PYY(3-36) widerlegen sollen.

Ein internationales Expertenteam unter Führung testete den Angaben zufolge die Wirkung des Hormons unter Anwendung neuester Methoden der Appetit- und Adipositas-Forschung. "Überraschenderweise konnte in zahlreichen verschiedenen Versuchsanordnungen keinerlei Hemmung von Nahrungsaufnahme oder Gewichtszunahme nach akuter oder chronischer Applikation festgestellt werden", erklärte das Institut.

(Vermeintlicher) Meilenstein

PYY(3-36) sei vor knapp zwei Jahren als Durchbruch in der Adipositas-Forschung gefeiert worden; weltweit hätten Wissenschafter und Öffentlichkeit die Arbeit als Meilenstein auf dem Weg zu einer wirksamen und verträglichen Therapie der Adipositas angesehen, erklärten die Potsdamer Forscher. Die jetzt publizierten, bei weitem ausführlicheren und detaillierteren Daten seien deshalb überzeugender, weil die Versuche unabhängig voneinander in sieben verschiedenen Universitäts-Laboratorien und fünf Forschungseinrichtungen der pharmazeutischen Industrie durchgeführt worden seien.

Die Autoren der aufwendigen Studie hätten eigentlich beabsichtigt, die Forschung zum Therapieprinzip PYY(3-36) voranzutreiben, erklärte das Institut. Sie hätten die negativen Ergebnisse nicht erwartet. Sie schlössen nicht aus, dass es besondere, in der ersten Publikation nicht beschriebene Bedingungen gebe, unter denen das Hormon die Nahrungsaufnahme hemmt; damit wäre es zum therapeutischen Einsatz aber wenig geeignet. Mit der Publikation der neuen Daten sollten deshalb Adipositas- und Diabetesforscher weltweit "auf eine potenzielle Sackgasse auf dem schwierigen Weg zu einem wirksamen und sicheren Adipositasmedikament aufmerksam gemacht werden".(APA/AP)

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